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notaufnahmeschwester

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Pflegepersonal

Alles Spacken – außer Mutti!

„Von der Fetten da lass ich mich behandeln!“, grölt er und lässt sich auf den Stuhl plumpsen. Die Hand ausgestreckt, als wolle er gleich dem Pflegepersonal gepflegt einen Scheitel mit der Axt ziehen.

Was für ein Spack!

Anschließend steht er wieder auf, um mit der Faust gegen einen Schrank zu schlagen. RUMS!

Morgens, halb drei in Deutschland.

Gemeinsam mit seinem ebenfalls verletzten Bruder, zwei Besatzungen Rettungsdienst sowie drei Wagen mit je zwei Polizisten war er „angekarrt“ worden. Direkt vor der Disco eingesammelt, nachdem eine Art Massenschlägerei dort aufgelöst worden war. Nun galt es noch herauszukriegen, wer wen und wann geschubst, geschlagen, getreten hatte. Es riecht nicht nur nach Zigarettenrauch, Drogen und Schnaps, sondern auch nach Ärger.

Z.n. (Zustand nach) Schlägerei als Einweisungsdiagnose. Oder z.n. PAM (paar aufs Maul).

Junge Kerle, besoffen und aggressiv – erst recht um die Uhrzeit sind der feuchte Traum aller derer, die in einer Notaufnahme arbeiten.

Immerhin wohnen sie hübsch – der Adresse nach zu urteilen. Villengegend. Schwimmbad im grünen, eingewachsenen Garten – wie Google uns zeigt.

Jetzt sind die Brüder aber leider zerrüttet, die Polizisten auch und der Rettungsdienst schaut, dass er Land gewinnt. Wie ich sie beneide.

Weil wir schlau sind und die ja leider beileibe nicht die Ersten sind, die voller Aggressionen abgeladen werden, bringen wir sie in verschiedenen Räumen unter. Das hat sich aus vielen Gründen bewährt. Einzeln sind solche Kerle meistens friedlicher als im Rudel.

Das findet der eine Bruder richtig scheiße. Was er auch deutlich sagt. Vor allem mir, der vermeintlich Fetten. Besoffen und Kinder sollen ja immer die Wahrheit sprechen. Sagen wir mal so: An den Augen hat er schon mal nichts gravierendes.

„Ich bin hier Kunde!“, krakelt er. „Ich habe ein Recht, bei meinem Bruder zu sein! Überhaupt: Ich kenne meine Rechte! Hier behandelt mich keiner, bevor ich nicht bei meinem Bruder bin! Habt ihr gehört? Ich kenne meine Rechte!“

Sicherlich. Wie mich das immer langweilt.

Geschwisterliebe ist natürlich zu fördern. Nur würden wir vorher ihm mal über das Gesicht schubbern, um festzustellen, ob auf die blutende Platzwunde ein Pflaster muss, oder ob man Nadel und Faden richten sollte.

Leider lässt er sich nicht behandeln, weil er ja aktuell auf Krawall gebürstet ist und innerlich seine Beschwerdebriefe verfasst. Sein Bruder schnarcht derweil im Nebenraum, ist aber dennoch wichtig und wird dringend gebraucht, sonst lässt er sich nicht behandeln, schreit er! „Hört ihr? Ich lass mich sonst nicht von euch behandeln! Sonst geh ich!“

Man möchte ihm die Tür weit aufhalten. Wenn einer nicht will, muss er ja nicht.

Nur: Er geht nicht. Nicht ohne seinen Bruder und schon mal gar nicht, weil er ja schließlich seine Rechte kennen würde.

Die Ärztin in dieser Nacht ist jung und unerfahren. Sie hat den unbändigen Willen, die Welt zu einem sehr viel besseren Ort zu machen. Alles richtig, gut und besser zu machen. Helfen, wo am nötigste. Edel und hilfreich. Und daher möchte sie ihn mit sanften Worten zu allem möglichen überreden: Sich behandeln zu lassen, das Schreien etwas zu drosseln, Ruhe zu bewahren, anschließend den Bruder in die Arme schließen und möglicherweise sogar nach Hause gefahren zu werden…

Ihr Heiligenschein glimmt leicht. Es ist auch irgendwie sehr rührend, zuzuhören. Kurzfristig erinnert man sich zurück an das eigene, jüngere Ich. Wir alle haben so angefangen. Wir alle wollten die Welt retten. Oder halt den nächsten, der gerade dafür in Frage kam.

Bis einen die Zeit, die miesen Erfahrungen, angedrohte oder tatsächliche Schläge und vieles mehr zu einer anderen Handlungsweise bewogen haben.

Mit solchen Patienten zu diskutieren ist nämlich ungefähr so (ersetze Rassisten durch Alkohol und/ oder Drogen):

Die Kollegin und ich sitzen gemeinsam mit zwei Polizisten, die uns bei diesem Aggressionspotential zu Seite stehend geblieben sind, im Flur und lauschen gefühlt stundenlang, wie sich die Gespräche im Kreis drehen:

„Aber mein Bruder…“

„Nun lassen Sie und doch mal schauen…“

„Ich kenne meine Rechte…“

„Nur mal untersuchen…“

„Einmal anfassen und ich haus euch aufs Maul!“

„Hm,“ grunzt der Polizist. „Keine Ehrfurcht mehr. Kein Respekt. Scheiß Elternhaus!“

Vielleicht hat er recht. Aber was wissen wir schon.

Nach einer weiteren Stunden voller „ ich- hau- euch- und- meine- Rechte- mein- Bruder- und-ich- fass- mich- nicht- an- du- blöde- fette- Kuh“ und dergleichen mehr, sind wir alle immer noch keinen Schritt weiter. Geschweige denn, dass wir irgendwie mit einer Art von Behandlung begonnen hätten. Dafür sind einige von uns maximal angefressen. Selbst die Geduld der Ärztin zeigt langsame, kleinere Fissuren und Risse. Eine Haftfähigkeit, damit der Typ seinen Alkohol- oder Drogenrausch in der Ausnüchterungszelle pflegen kann, will die Ärztin nicht ausstellen. Das Dilemma: Man weiß nicht, warum der Typ so drauf: Ist er mit dem Pony auf den Kantstein geknallt und deshalb so merkwürdig? Oder ist er einfach nur banal doof? Oder ist er ein Konsumopfer reichlich bedenklicher Substanzen?

Eine CT- Untersuchung seinen Kopfes schlägt er aus. Er kennt seine Rechte – ihr ahnt es schon. Erbarmen!

Etliche Beleidigungen später hat einer der Polizisten zwei Ideen:

  1. Wir rufen Mutti an. Meistens „wirkt“ Mutti und bringt die Brut wieder zur Räson.
  2. Ich soll mir mal überlegen, ob ich ihn nicht anzeigen möchte wegen Beleidigung. Man müsse ja auch solchen Spacken mal klarmachen, dass nicht alles erlaubt ist. Er, der Polizist, sähe definitiv den Tatbestand einer Beleiding mehr als erfüllt.

Nun ist er nicht der Erste und wird auch nicht der Letzte gewesen sein, der mich beleidigt. Aber irgendwann kann man ja auch mal anfangen. Und weil das Gespäch zwischen der barmherzigen Arztin und dem Otto sich hinzieht und der Beamte zufällig sein Blöckchen für die Anzeigen dabei hat, vertreiben wir uns so die Zeit.

Der Kollege hat derweil die Mutter zu frühen Stunde erreicht. Sie würde kommen und sich kümmern.

Wir atmeten auf. Endlich würde das hier zu einem Ende kommen.

Nach 20 Minuten weiteren Rumkrakelens klopfte es an die Tür: Mutti. Ta-ta! Endlich!

Da steht sie: Der Rücken gerade, das Haar adrett frisiert, eine Chanel-Jäckchen in Rosa mit Franzen, das passende Handtäschen unter den Arm geklemmt. Wie man aus dem Bett kommend Zoll um Zoll so aussehen kann, wird ihr Geheimnis bleiben.

Sie richtete sich noch etwas gerader auf, schaute in die Runde, hörte ihre Brut – einerseits schnarchend, andererseits lautstark pöbelnd: „Wer ist hier der Verantwortliche? Ich möchte alle Namen!“

Im Geiste sah ich sie aus ihrem Rollkoffer eine Reiseschreibmaschine holen. Für den nun folgenden Beschwerdebrief.

Sagen wir mal so: Der Plan: „alles wird besser, wenn Mutti kommt“ scheiterte auf voller Linie. War der Sohn schon anstrengend, anmaßend und beleidigend – wussten wir nun, von wem er es hatte. Mutti ließ sich alle Namen geben für den „egal welchen Fall“!

Den Schilderungen der Polizei, warum ihre Kinder hier wäre und eine kurze Übersicht „was bisher geschah“ hörte sie nur kurz zu und brach barsch mit einer Handbewegung ab! Sie hätte sich schon einen Überblick verschafft. Die Namen jetzt! Rasch!

Ihr Herzensbub! In einer solchen Bedrängnis! In seinem Zustand! Er habe offensichtlich Kummer und Schmerzen! Keiner hier scheine ihm offensichtlich helfen zu wollen. Das würde ein Nachspiel haben! Unterlassen Hilfeleistungen! Morgen würde sie mit ihrem Anwalt Kontakt aufnehmen.

Derweil schmiegte sich der Spack in die Arme seiner liebenden Mutter. Voller leiser, fieser Genugtuung sah ich, wie er Blut und Rotz ins Rosa rieb.

Es war sehr spannend zu beobachten. Ein Lehrstück in Gesellschaftskunde. In die Hege und Pflege der Brut der oberen 10.000. Der Reichen und Schönen. Der Verpimpelung. Des nicht sehen wollen, was ist. Ein komplett fehlendes Unrechtsgefühls. Die Frage, warum Polizei hier dabei war, stellte sich der Mutter in keinster Weise. Wahrscheinlich dachte sie das ist üblich und angemessen zum Schutz ihrer Brut.

Sie würde jetzt ihre Kinder, die alle natürlich über 18 Jahren waren, mitnehmen und in ein vernünftiges Krankenhaus bringen. Hier wäre ihr Vertrauen zerrüttet.

Da war sie gerade mal 10 Minuten da. Aber was weiß schon ich von solchen Mutterzauberwahnsinnscheckerkräften. Ein liebend Mutterherz- was brauchts der Worte mehr.

Sie küsste den Schnarchenden wach und zog den Pöbelnden mit: „Wenn du dich nicht von der Fetten behandeln lassen möchtest, brauchst du das auch nicht mein Schatz!“

Dann gingen sie. Türen schlagend.

Und wir alle standen stumm im Raum, schauten und ratlos an und verstanden die Welt ein kleines bisschen weniger gut.

Immerhin waren sie endlich weg.


Nachspiel

Ich hatte ihn tatsächlich angezeigt. Der Polizist hatte mir glaubhaft versichert, dass ich keinesfalls zu einer möglichen Gerichtsverhandlung mitkommen müsse.

Nachdem ich lange Zeit nichts mehr hörte, fiel die Geschichte im Hinterstübchen weit nach hinten. Bei der Fülle an Menschen, die man tagtäglich behandelt, ist das ein Segen. Viele sind reizend. Andere sind es nicht. So ist das eben.

Und dann trudelte doch noch eine Einladung ins Gericht ein. Zur Aussage im Fall.

Zur Hülfe. Ich würde ihn und Mutti, den Bruder und überhaupt alle wiedersehen. Ich fühlte mich so, wie wenn sich heute die Kontrahenten des Dschungelcamps in der Sendung danach wieder treffen. Die Fürstin meets Kasalla!

An einem kalten Tag im Winter saß ich in einem zugigen Gang des Gerichtes auf einem Stühlchen und wartete auf meinen Auftritt.

Kurz vorher – also Monate nach unserer Begegnung im Krankenhaus – hatte mir der Bengel tatsächlich einen Entschuldigungsbrief geschrieben. Schade nur, dass es erst kurz vor der Gerichtsverhandlung ankam. So erweckte es nun eher den Anschein, dass dieses Schreiben mehr so dem Wunsch des Anwalts entsprochen haben könnte, als seiner Reue.

Das Jüngelchen schaute nicht auf. Dafür durchbohrte mich seine Mutter mit Blicken! Ich hätte sofort zu Boden sinken müssen. Tot! Erdolcht mit eiskalten Mutteraugen.

Der Richter ermahnte den Spack. Man beleidigt nicht die Hand, die einen pflegt. Auch fände er den Brief zwar grundsätzlich gut, aber den Zeitpunkt wäre eher schwierig und daher auch nicht als ernst gemeint einzustufen.

Wegen der Beleidigung bekam er 20 Sozialstunden, die er ableisten müsse und ich 37,50 Euro für die Erstattung sämtlicher Kosten und Auslagen.

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Ich habe nie wieder jemanden angezeigt, obwohl ich es gefühlt manchmal an jedem zweiten Tag hätte tun können. Der Aufwand für eine Alltagserscheinung ist es nicht wert. Und da sagt mehr über manche Formen unserer Gesellschaft aus, als mir eigentlich lieb wäre.

Über die Jahre hinweg scheint es mittlerweile üblich geworden zu sein, dass man die, die helfen wollen, beleidigt, einparkt, an ihrer Arbeit hindert und gewalttätig gegenüber den Helfern, Rettern und Bewahrern wird.

Ich möchte an Karma glauben.

Und euch, die ihr Rettungskräfte, Feuerwehren, Polizisten, Pflegepersonal und das ärztliche Personal disst, wünsche ich, dass ihr es mal sein werdet, die Hilfe brauchen. Aber es kommt gerade keiner, weil der Rettungsdienst erst mal in die Werkstatt muss, weil alle Reifen aufgeschnitten wurden. Mal abgesehen davon, dass irgendwann keiner mehr Bock haben wird, Dullies und Dumpfbacken den Arsch retten zu wollen.

Ich wünsche euch, dass ihr dann genügend Zeit haben werdet und einen Geistesblitz bekommt über eure eigenen, schäbigen Taten: „Hahaha- wie lustige das war und wie die dann sauer wurden und wir schnell wegrannten“.

Seid freundlich. Das Leben ist ein Spiegel.

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Mein Leben als Influencerin

Manchmal träume ich davon, wie ich mein wunderbares Leben noch wunderbarer machen könnte. Wie ich stinkreich werden würde. Auch in  – oder trotz – Pflege.

(Ich überhöre das hemmungsloses Gelächter vom Pflegepersonal)

Influencer müsste man sein! (Das ist keine Grippe – das sind äußerst wichtige Menschen, die unfassbar bedeutende Dinge machen. Heißt es.)
Wenn man „Pflege-Influencerin“ wäre, würde alle Welt wissen wollen, was man zum Frühstück isst (Werbung für Frühstücksflocken= Zaster), mit welchem Duschbad man sich erfrischt (Werbung=Zaster), womit man seine geschmeidige Dienstkleidung aufpeppt (Ihr ahnt es: Werbung= Zaster) sowie an welchem Getränk man nach Dienstschluss nippt oder es sich in die Kehle schüttet – je nach Arbeitsaufkommen. Ich würde einen Hashtag nach dem anderen reinknallen und anschließend die Hand für meine monetäre Vergütung aufhalten.

Am Abend würde ich  in einem gesponserten, hübschen Kleidchen auf irgendwelchen wichtigen Feier lustwandeln und angeregt, aber in lockerem Ton über die Wichtigkeit der Pflege plaudern. Das müsste ganz leicht daherkommen, denn in seiner Freizeit  möchte sich keiner mit schwerwiegenden Problemen befassen. Auch lustig sollte es sein- aber da mangelt es mir an Themen ja nicht wirklich. Und auch ein bisschen ernsthaft. Man möchte ja die Menschen „draußen“ auch ein bisschen sensibilisieren. Aufmerksam machen.

Es würde also laufen – in meinem Job als Pflegeinfluencerin

Die Werbewelt würde endlich feststellen, dass wir unfassbar viele Menschen in Gesundheitsberufen – vor allem Frauen – sind. Und für die dreht es sich nach Feierabend ebenfalls um so wichtige Dinge wie:

  • Welcher Nagellack hält wirklich an freien Tagen?
  • Was für ein Nagellackentferner entfernt wirklich alles gründlich und schnell, ist dabei aber gleichzeitig schonend? ( Drei Minuten vor Dienstbeginn muss es schon mal schnell gehen, weil man es irgendwie verschlafen hat, sich Knallrot, Rubinmatt oder „Sinners Mood“ rechtzeitig vom Nagel zu kratzen.)
  • Welches Make-Up kann ich auch an heißen und stressigen Tagen bedenkenlos tragen?
  • Welche Wimperntusche verläuft nicht, wenn der hübsche, heiße Arzt/Pfleger/Verwaltungstyp um die Ecke kommt?
  • In welchem Entspannungsbad  aalt sich das Gesundheitspersonal am besten?
  • Welche Hydro-Energy-Maske beseitigt die Spuren des Nachtdienstes am schnellsten?
  • Welche Schuhe sind so bequem wie hübsch und entsprechen auch dem noch dem Standard der Arbeitssicherheit?
  • Welche Unterwäsche klebt nicht am Körper?
  • Welcher Energyriegel gibt wirklich Power an einem anstrengenden Tag?
  • Welches Getränk macht müdes Pflegepersonal munter?
  • Was hilft gegen „Quellwasserbeine“?
  • Welcher Instandscheiß verspricht schnellste Sättigung?

Merkt Ihr war?

Mit der Macht der Pflege würden Umsätze steigen, weil hier jemand aus Fleisch und Blut – also quasi total authentisch – (da wird ja immer wahnsinnig Wert drauf gelegt) – spricht/schreibt/vor sich hin blubbert/vlogt/bloggt.

Eine*r von vielen.

Dann kam die Coral – Werbung.

Was hab ich mich amüsiert über diese Bilchen von irgendwelchen Stars,  die so porentiefc rein und unschuldig mit ihrer Flasche Waschmittel im Bett sitzen oder auf Rädern mit völlig unangebrachten, unpraktischen Fahrradkörben? Das alles könnt ihr hier nachlesen. Es ist kurios wie albern. So dämlich, wie lustig. Mein Humorzentrum hat es jedenfalls getroffen.

Das, was da Coral gemacht hat, könnte Pflege auch. Locker aus der Hüfte.

 

Ich  habe – aus reine Lust und Freude (Ohne Zaster – wie schade. Ich hätte die Firma mal anschreiben sollen) tatsächlich eine Falsche Coral mit in die Notaufnahme genommen, um blödsinnige Werbung nachzuspielen.

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So weiß wird es nur mit Coral

 

Coralwerbung
Was in keiner gut sortierten Notaufnahme fehlen darf…

 

Coralwerbung
Strahlende Sauberkeit im Wäscheschrank – dank Coral!
Coralwerbung
Mit Coral würde das nicht passieren!

 

Liebe Werbungsfuzzis: Merkt ihr, was euch entgeht?

Ein gigantisch, zahlreiches Publikum geht euch durch die Lappen, weil ihr wenig zielorientiert seid. Die meisten Menschen verlassen sich darauf, was ihre Freunde/ Kollegen empfehlen und mögen. Ihre Erfahrungswerte sind es, die Kaufentscheidungen prägen.

Nicht Püppchen, die in der Gegend mit ihrer Pulle Waschmittel sitzen. Nicht hübsche Bengels, die vor der Waschmaschine hocken oder vor Graffitis stehen.

 

Ach ja. So wäre das. Mein aufregendes Leben als Influencerin. Aber wann hat Werbung jemals auf Kunden gehört? Und wann ist jemals eine*r aus der Pflege reich geworden?

 

 

Eulenkeksseelenschmerzkompensationsbacken

Eine entfernt wohnende Freundin von mir backt derzeit viel. Ich stelle mir dann immer vor: Wenn das Backwerk besonders zauberhaft gelungen ist, bröckelt wieder ein kleines Herzeleid von der Seele ab.

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Eulenkekse

Ja – warum hat sie denn nun so Herzeleid? (Ich hör euch doch schon ungeduldig mit den Hufen scharren. Notaufnahmeschwester: komm zu Potte!)

Sie verzweifelt am System. An der Berufung. Am Spaß an der Arbeit. An den Kollegen. An Pflegedienstleitungen.

Dabei fing alles so vielversprechend an. Nach zig Jahren im Krankenhaus auf ein und derselben Station wollte sie mal etwas Neues machen. Eine neue Herausforderungen wagen. Mal wieder was anderes sehen. Dazulernen. Durchaus legitim, wenn man jung ist. Und weil wir nicht jeden Tag miteinander sprechen, sondern nur manchmal, fragte ich neulich mal nach, wie denn das Leben jetzt so ist.

Folgender Dialog entstand:

„Ich bin nicht mehr in der Klinik, weil es mehr als schlimm war. Keine Einarbeitung, Stress und Druck von allen Seiten, null Verständnis und Kollegen die alle ans kündigen denken. Einarbeitung gab es nicht wirklich. Die Ärzte nehmen auch nicht immer Rücksicht und die Kollegen sind auch alle nur am Schimpfen. Zuviel Druck, zu wenig Zeit und kein richtiges Team. Der beliebteste Satz in der Klinik war: Not schafft Kompetenz! Es gibt bestimmt auch Leute, die das aushalten. Ich fand es mehr als unmenschlich.“

Da war ich erst mal baff. Ich kenne sie als eine Person, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht. Die nichts so leicht aus dem Konzept bringt. Dazu hat sie eine gesunde Portion Humor und Selbstironie. Etwas, das herrlich und  unerlässlich im Klinikalltag ist.

Ich weiß natürlich, dass solche Arbeitsbedingungen an der Tagesordnung sind. Zeit ist  Mangelware. Druck wird immer nach unten weitergegeben. Ein Neuanfang  ist nie einfach.

Aber so?

„Baff“ wurde aber schnell abgelöst von Trauer, Zorn und Wut.

Da kommt jemand frisch in ein Team und einen neuen und fremden Fachbereich. Was geht da manchen „Kollegen“ wohl so durch den Kopf? „Ihhhh. Neu. Die kann ja nix!. Och – da hab ich aber keinen Bock darauf! Die soll mal schön selber sehen, wie sie klar kommt!“

Ich versteh schon: nicht jede neue Nase passt. Aber hey – es ist eine neue Chance für alle. Ein neuer Rücken, auf den die viele, anfallende Arbeit verteilt werden können. Vielleicht nicht gleich, aber irgendwann ist jeder eingearbeitet.

Was läuft da schief, dass neue Kollegen so bescheuert behandelt werden?  Dass die so oft alleine gelassen werden und somit natürlich an einem neuen System/ Klinikalltag/ Strukturen scheitern müssen? (Und diese Art der Geschichte ist schließlich nicht die erste, die ich so höre. Ich höre sie oft. Zu oft.)

Ja. Ich bin eine Sozialromantikerin.

Ich bin der Meinung, je netter ich jemanden aufnehme und vernünftig einarbeite, desto schneller kann er sich integrieren.

Oder ich lasse ihn eben links liegen – wie hier in diesem Fall. „Schau doch, wie du mit deinem Scheiß zurecht kommst. Interessiert uns nicht. Ob du da bist, oder nicht. Mir doch egal.“ (An die Geschichte mit Not schafft Kompetenz möchte ich gar nicht denken. Da kannste nur beten, dass du da nie Patient sein wirst…)

Gehts noch?

Selbst möchte man auch nicht so eingearbeitet und behandelt werden. Warum sollte ich es also mit anderen so machen wollen? Wie viel Frust, Überarbeitung und persönliche, fiese Geschichten stecken hinter so einem Verhalten?

Wenn wir aus der Pflege doch wissen, dass Personal immer knapper wird – wieso machen wir es uns und den neuen Kollegen so schwer?

Soviel kann man gar nicht mit dem Kopf auf die Tischplatte knallen. Ich versteh es nicht. Ich hab es nie verstanden und ich werde es in Ewigkeit Amen nicht verstehen.

Aber die Geschichte ging noch weiter. Der Mut, aus der Struktur der alten Arbeitsstelle zu wechseln, wurde zu einem neuen Mut, zu sagen: „So nicht. Das will ich nicht. So möchte ich nicht arbeiten.“

Sie beschloss, wieder zu ihrem alten Arbeitgeber zurückzukehren, denn sie ging ja nicht weg, weil es dort blöd war, sondern weil die Neues dazulernen wollte.

Die Geschichte könnte jetzt damit enden, dass sich alle glückselig in die Armen sanken und fortan in Freude und Glück lebten. Ein verlorenes Schäfchen! Eingearbeitet! Zurück an die Base? Hurra. Schlachtet ein Schwein und holt den besten Arbeitskittel aus dem Keller. Denn unser Schäfchen ist wieder zurück.

Nix da.

Es gab ein formales Bewerbungsgspräch, als wäre sie nie jahrelang tagein nachtaus in diesem Krankenhaus gewesen.

„… was ich unter Pflege verstehe. Wie ich mit Kritik umgehen kann, ob ich Teamfähig bin. Und egal wie ausgiebig meine Antwort war, mussten sie jedes mal noch dreimal weiter bohren, bis ich auch nicht mehr weiter wusste. Sie haben mich total verunsichert und auseinandergenommen. Das ganze Gespräch war richtig von oben herab. Das hätte ich nie gedacht – zumal sie doch wussten, dass es für mich bestimmt nicht einfach war, wieder anzukommen. Es fragt sich auch keiner, warum die Leute gehen. Wenn dann jemand ne zweite Chance möchte, kriegt man nen Arschtritt.“

Da fällt dir nichts mehr ein. Da fällt mir nichts mehr ein!

War da nicht was von Pflegenotstand und wie schwierig es ist, gutes Personal zu bekommen? Ich hab mich mit dem ein oder anderen Chef unterhalten und höre mir an, was sich da teilweise für Leute bewerben:

„Nachtdienst? Och. Lieber nicht. Da bekomme ich immer so Kopfschmerzen. Das ist ganz schlecht für mich. So hatte ich mir das nicht gedacht.“

Zeugnisse, bei denen man sich fragt: wie kommen die Leute darauf, sich damit zu bewerben.

Zeugnisse, bei denen man sich den Verdachtes nicht erwehren kann, dass der, der dich bewirbt so überhaupt keine Lust au den Job hat.

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Eckart von Hirschhausen / Facebook

Und dann gibt es eben auch PDLs, die sagen: „Och. Nö.“ Ohne Begründung. Ohne persönliches Telefonat. Schließlich kannte man sich ja seit Jahren.

Bestimmt gab es einen guten Grund. Einen, der sich mir nicht erschließt. Aber bestimmt einen tiptop Grund. Muss ja. Denn wie sonst könnte es sich eine Klinik leisten, auf eine gute Kraft zu verzichten.

Lieber kann man möglicherweise stattdessen einen Arbeitskreis gründen, warum das Pflegepersonal nicht dableibt. Oder wie man welche dazugewinnt. Also halt nicht alle. Andere. Immer Mittwochs ab 13 Uhr im Besprechnungsraum.

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Und nein: So etwas macht in Zeiten der weltweiten Netzkommunikation auch nicht die Runde. Nönö. „Du – wo soll ich mich bewerben? Bei dir in deiner Klinik?“ „UMGOTTESWILLEN! NEIN! Die gehen nicht wirklich nett mit ihrem Personal um.“

Es blutet mit das Herz. Wie wollen so Bedingungen geschaffen werden, damit die Pflege wieder in Strümpfe kommt, wenn es schon an so vielem, grundlegendem hapert?

Ach so. Ja. Stimmt. Es gibt vielleicht bald eine neue Form der Ausbildung. Das reißt es dann heraus. Da werden viele sagen: Ach – jetzt mit der generalisierten Pflegeausbildung – da mag ich ja sofort anfangen. Scheiß auf Geld, Wertschätzung und gute Bedingungen, unter denen man gerne arbeiten möchte.

Wie wäre es, wir würden erst einmal mit ein wenig mehr und grundlegender Empathie beginnen? Mit Wertschätzung untereinander? Oben wie unten? Allen voran ein guter und anständiger Umgang miteinander? Damit man wieder Lust bekommt, in solchen Strukturen zu arbeiten? Dass wir wieder gerne Helden sein mögen? Nur so als kleiner Anfang?

Sonst kommt meine Freundin gar nicht mehr aus dem Keks- und Kuchen backen heraus!

Sie fand jetzt übrigens doch ihr Glück.

„Die in der neuen Klinik sind bis jetzt alle das ganz krasse Gegenteil. Das Gespräch war mehr als angenehm und heute hat mich sogar die Fachbereichsleitung angerufen. Sie wollte sich vorstellen und hat mir schon bisschen was erzählt, weil sie leider nicht da ist. Sie wollte sich aber melden und sie freuen sich alle schon, dass ich ins Team komme. Auch, ob es okay ist, dem Leiter meine Telefonnummer zu geben. Der würde sich nämlich auch bei mir melden und meinen Dienstplan durchgehen. Ich dachte nach all dem Scheiß, ich bin im falschen Film.“ 🙂

Guck an. So geht es doch auch!

Es wird dennoch ein Weilchen dauern, bis diese Herzenwunden „verbacken“ sind.

 

 

 

 

 

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