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Pflege

8 FAQ der Pflege

Es gibt ja immer mal wieder Fragen (FAQ – Frequently Asked Questions), die ständig, stets und immer wieder gestellt werden.

Du bist Krankenschwester? Pflege? Echt?  Schon sprudelt es. Hier eine kleine persönliche Hitliste, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat.

1. Also ich könnte das ja nicht!

Och – geht schon! Wisst ihr, was ich nicht könnte? Stundenlang an Metallteilen herumfeilen. Buchführung mit penibler Zahlenkontrolle. Kellnern auf dem Oktoberfest. Die Liste ließe sich fortsetzten.

Es gibt vieles, was in der Pflege „fies“ ist. Denn auf das zielt diese Frage ab. Körperausscheidungen jeglicher Art. Gerüche. Fremdes Leid. Geschrei und Gezeter. Sagen wir mal so: Auf vieles dieser „Dinge“ könnte man getrost verzichten. Sie sind nicht wirklich schön. Aber es ist ja nun auch so, dass man nicht den ganzen Tag damit beschäftigt ist, volle Buxen zu säubern oder Leuten Schnodder aus der Lunge abzusaugen. Dazwischen geht es durchaus manierlich zu. Und weil das ein Teil der Arbeit ist – aber eben nicht nur-  ist es tatsächlich zu „ertragen“. Man gewöhnt sich fast an alles. Glaubt mir. Der Ekel bleibt  – aber das ist auch Teil professionellen Arbeitens, nicht laut schreiend aus dem Raum zu rennen. (Auch wenn man es manchmal wollte). Jeder Beruf hat solche Seiten, die man eben macht, weil sie dazugehören. Die aber niemals in die Liste der liebsten Dinge aufsteigen würde.

Die Geschichte mit dem Leid ist auch schnell erzählt: Wir machen den Job, um Leid zu verringern. Wir sind aktiv dabei, damit es den Patienten wieder besser geht. Das wiederum macht den Zauber aus, den viele Kollegen – trotz mitunter schlimmer Arbeitsbedingungen – immer noch bei der Stange hält. Zu wissen, das wir den Unterschied herstellen können.

2. Sag mal – du bist doch Krankenschwester. Ich hab da sowas…..

Oh dear. Gerne schaue ich mir deine Wunden an. Höre empathisch deiner langen, schwierigen und von Missgeschicken erfüllten Krankengeschichte zu. Ich lausche deinen Ausführungen vom  „Blödmann, der dich genäht hat und es ist eine Narbe zurück geblieben! Ist das zu fassen?“ Ich gebe Ratschläge um mir dann wieder anzuhören, dass die ja alle Käse sind, weil „Homöopathie beim Nachbaren des Tante viel besser gewirkt hat, als dein Pharmascheiß!“ Das mache ich gerne. Immer wieder. Ich bin ja schließlich Krankenschwester. Da ist man immer im Dienst. Im Gegenzug lass ich mir dann Börsenkurse erklären und weise auf das komische Geräusch meines Autos hin. Ob man da nicht mal auch… so im Gegenzug… mal eben drunter schauen. Keine große Sache. Ich hol auch schon mal den Eisbeutel für das gestauchte Sprunggelenk. Eine Hand wäscht die andere. Nicht wahr?

3. Fürs Medizinstudium hat es wohl nicht gereicht?

Gereicht vielleicht schon. Aber nicht gewollt.

Leute, die solche Sätze sagen, sagen bestimmt auch zur Stewardess im Bumsbomber nach Bangkok: Na – zum Piloten hat es wohl nicht gereicht? Oder zum Bankangestellten: Ein Aufsichtsratsposten kommt nicht so in Betracht? Oder zum Blumenmenschen auf dem Markt: Ne Plantage in Holland ist keine Option?

Ich bin ganz bewußt Krankenschwester geworden. Wie viele meiner KollgenInnen. Aus guten und genauso unterschiedlichen Gründe, wie Menschen und Pflegepersonen eben verschieden sind.  Klar: Manche haben den Plan, nach der Ausbildung vielleicht irgendwann doch noch Medizin zu studieren. Aber nicht alle.

Nein. Ärztin wollte ich nie werden.

4. Schichtdienst? Wochenende? Also für mich wäre das nix!

Stimmt. Für uns auch nicht.

In der Regel frieren wir ja die Patienten freitags ein und tauen sie dann am Montag wieder auf – wie @WonderinLisa auf Twitter mal so schön ulkte.

Aber so ist es halt nun mal. Schichtdienst ist Fluch und Segen zugleich. Die Zeiten, in denen man unter der Woche als Ausgleich frei hat. Die Stunden, die man vor dem Spätdienst bei Friseur verbringen kann. Der Kinobesuch danach. Alles prima. Ebenso das Gefühl, nach dem Nachtdienst in die Feder zu fallen, während draußen der Tag beginnt.  Aber es bedeute auch: Sozialkontakte, die verebben, weil man immer dann arbeitet, wenn die meisten frei haben. Die unzähligen Kurse, die man hätte besuchen wollen, aber der Dienstplan einem den Strich durch die Rechnung macht. Fluch und Segen. Und leider nicht so sexy wie in der Welt literarischer Ergüsse.

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Internetfund. Wenn Nachtdienst so wäre, würde ich nur noch… halt. Ne doch nicht!

Es ist anstrengend.  Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Es fühlt sich an, wie ein immerwährendes Jetlag.  Womit wir gleich beim nächsten Highlight sind:

5. Aber das hast du doch gewusst!

Liebchen. Ja.

Das haben wir gewußt. Wenn man allerdings gerade seine Ausbildung beginnt, denkt man weder an die Rente in 45 Jahren, noch an die möglichen Auswirkungen des Schichtdienstes nach 30 Berufsjahren. Da stehen andere Gründe im Vordergrund.

Vieles offenbart sich erst mit der Zeit. Und das weiß man nicht im Anfang. Keiner.

 

6. Trinkst ihr wirklich so viel Kaffee?

Ja.

7. Also – so Nadeln/Katheter/whatever in Leute reinstecken – das macht euch doch in Wahrheit Spaß , nicht wahr? *zwinkerzwinker*

Ernsthaft?

Richtig: In Wahrheit macht uns das tierisch an. Wir stehen auf den Schmerz der anderen! Aus genau diesem Grund haben wir den Beruf gewählt. Schwester Rabiata ist in Wahrheit eine Domina im Umschulmodus. Wir sind aber auch ein wildes Völkchen- wir Krankenschwestern. Der feuchte Traum vieler. Bei Amazon kann man für 18,91 Euro sogar willige Sexpuppen kaufen. In diesem Fall aber ohne Schmerz. So schade. Dafür hat sie drei (!) Lustöffnungen und ist leicht zu entkleiden. Ich warte jetzt nur noch auf den Ken, das Pferd der Krankenpflege.

 

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Screenshot Amazon. Für jeden Geschmack was dabei.

Als Pflegepersonal bist du halt alles: Barmherzigkeit und Lustobjekt. Hure und Heilige. KönnerIn und StümperIn. Je nachdem.

8. Muss das nicht der Arzt machen?

Manches schon. Anderes nicht. Aber entscheidet selbst, wer euch eure Zugänge legt oder die Katheter: Der Arzt, der es schon einmal gesehen hat. Oder die Pflege, die es täglich mehrfach praktiziert. Ansonsten: Natürlich. Immer der Arzt. Das schafft Freizeit. Danke. Wir kommen dann gerne später, legen euch einen Eisbeutel auf und streichen den Angstschweiß von der Stirn. (Und bevor ein Arzt jetzt weint: Ihr seid toll! Und ihr könnt alles vieles! (Also die meisten!))

 

Dieser Blogbeitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ihr könnt aber gerne eure Highlights kommentieren.

Zudem enthält er Spuren von Ironie bis zum Sarkasmus. Habt ihr gemerkt, nicht wahr?

Wer bin ich?

Ein Gedicht, dass mich fast schon mein ganzes Leben begleitet und tief berührt ist „Wer bin ich?“  von dem Widerstandskämpfer und Theologen Dietrich Bonhoeffer. Er schrieb es als Gefangener in einer Zelle Berliner Militärgefängnisses.
Wer bin ich?
Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss
 
Wer bin ich?
Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.
Wer bin ich?
Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.
Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschli
cher Nähe, zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?
Wer bin ich?
Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich?
Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?
Wer bin ich?
Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott! (Dietrich Bonhoeffer)
Ich habe diese wunderbar, berührende Gedicht ein wenig umgeschrieben. Natürlich lässt sich die Situation der Pflege nicht mit den Gräueltaten der NS-Zeit vergleichen. Mit geht es hier um die Frage alle Fragen.
Der äußere Schein, der gewahrt werden will und muss und das Innenleben harmonieren nicht immer – um es mal vorsichtig zu formulieren.Und das müssen sie auch nicht. Der Mensch lebt nun mal eben in diesem Spannungsverhältnis. #isso.
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Bildquelle: Pixabay
Wer bin ich als Pflegeperson?
Wer bin ich?
Sie sagen mir oft,
ich liefe über die Flure der Notaufnahme
gelassen und kompetent und mit Humor gesegnet
wie eine Gutsherrin aus seinem Schloss.
 
Wer bin ich?
Sie sagen mir oft,
ich spräche mit Kollegen, Ärzten, Patienten und Angehörigen
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.
Wer bin ich?
Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Stresses
gleichmütig, lächelnd und scherzend,
wie eine, die Siegen gewohnt ist.
Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, gestresst, wie ein Vogel im Käfig, ringend nach den nächsten freien Tagen, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach maßvollem Handeln der Ärzte, nach einem Dankeschön, nach Gummibärchen,
dürstend nach Annerkennung, nach Kollegen, mit denen man gerne und gut arbeiten kann, zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Patienten in kritischem Zustand
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von der Pflege Abschied zu nehmen?
Wer bin ich?
 
Bin ich denn heute diese und morgen eine andere?
Bin ich beides zugleich?
Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Wer bin ich? Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott! (Notaufnahmeschwester/Dietrich Bonhoeffer)

Eulenkeksseelenschmerzkompensationsbacken

Eine entfernt wohnende Freundin von mir backt derzeit viel. Ich stelle mir dann immer vor: Wenn das Backwerk besonders zauberhaft gelungen ist, bröckelt wieder ein kleines Herzeleid von der Seele ab.

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Eulenkekse

Ja – warum hat sie denn nun so Herzeleid? (Ich hör euch doch schon ungeduldig mit den Hufen scharren. Notaufnahmeschwester: komm zu Potte!)

Sie verzweifelt am System. An der Berufung. Am Spaß an der Arbeit. An den Kollegen. An Pflegedienstleitungen.

Dabei fing alles so vielversprechend an. Nach zig Jahren im Krankenhaus auf ein und derselben Station wollte sie mal etwas Neues machen. Eine neue Herausforderungen wagen. Mal wieder was anderes sehen. Dazulernen. Durchaus legitim, wenn man jung ist. Und weil wir nicht jeden Tag miteinander sprechen, sondern nur manchmal, fragte ich neulich mal nach, wie denn das Leben jetzt so ist.

Folgender Dialog entstand:

„Ich bin nicht mehr in der Klinik, weil es mehr als schlimm war. Keine Einarbeitung, Stress und Druck von allen Seiten, null Verständnis und Kollegen die alle ans kündigen denken. Einarbeitung gab es nicht wirklich. Die Ärzte nehmen auch nicht immer Rücksicht und die Kollegen sind auch alle nur am Schimpfen. Zuviel Druck, zu wenig Zeit und kein richtiges Team. Der beliebteste Satz in der Klinik war: Not schafft Kompetenz! Es gibt bestimmt auch Leute, die das aushalten. Ich fand es mehr als unmenschlich.“

Da war ich erst mal baff. Ich kenne sie als eine Person, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht. Die nichts so leicht aus dem Konzept bringt. Dazu hat sie eine gesunde Portion Humor und Selbstironie. Etwas, das herrlich und  unerlässlich im Klinikalltag ist.

Ich weiß natürlich, dass solche Arbeitsbedingungen an der Tagesordnung sind. Zeit ist  Mangelware. Druck wird immer nach unten weitergegeben. Ein Neuanfang  ist nie einfach.

Aber so?

„Baff“ wurde aber schnell abgelöst von Trauer, Zorn und Wut.

Da kommt jemand frisch in ein Team und einen neuen und fremden Fachbereich. Was geht da manchen „Kollegen“ wohl so durch den Kopf? „Ihhhh. Neu. Die kann ja nix!. Och – da hab ich aber keinen Bock darauf! Die soll mal schön selber sehen, wie sie klar kommt!“

Ich versteh schon: nicht jede neue Nase passt. Aber hey – es ist eine neue Chance für alle. Ein neuer Rücken, auf den die viele, anfallende Arbeit verteilt werden können. Vielleicht nicht gleich, aber irgendwann ist jeder eingearbeitet.

Was läuft da schief, dass neue Kollegen so bescheuert behandelt werden?  Dass die so oft alleine gelassen werden und somit natürlich an einem neuen System/ Klinikalltag/ Strukturen scheitern müssen? (Und diese Art der Geschichte ist schließlich nicht die erste, die ich so höre. Ich höre sie oft. Zu oft.)

Ja. Ich bin eine Sozialromantikerin.

Ich bin der Meinung, je netter ich jemanden aufnehme und vernünftig einarbeite, desto schneller kann er sich integrieren.

Oder ich lasse ihn eben links liegen – wie hier in diesem Fall. „Schau doch, wie du mit deinem Scheiß zurecht kommst. Interessiert uns nicht. Ob du da bist, oder nicht. Mir doch egal.“ (An die Geschichte mit Not schafft Kompetenz möchte ich gar nicht denken. Da kannste nur beten, dass du da nie Patient sein wirst…)

Gehts noch?

Selbst möchte man auch nicht so eingearbeitet und behandelt werden. Warum sollte ich es also mit anderen so machen wollen? Wie viel Frust, Überarbeitung und persönliche, fiese Geschichten stecken hinter so einem Verhalten?

Wenn wir aus der Pflege doch wissen, dass Personal immer knapper wird – wieso machen wir es uns und den neuen Kollegen so schwer?

Soviel kann man gar nicht mit dem Kopf auf die Tischplatte knallen. Ich versteh es nicht. Ich hab es nie verstanden und ich werde es in Ewigkeit Amen nicht verstehen.

Aber die Geschichte ging noch weiter. Der Mut, aus der Struktur der alten Arbeitsstelle zu wechseln, wurde zu einem neuen Mut, zu sagen: „So nicht. Das will ich nicht. So möchte ich nicht arbeiten.“

Sie beschloss, wieder zu ihrem alten Arbeitgeber zurückzukehren, denn sie ging ja nicht weg, weil es dort blöd war, sondern weil die Neues dazulernen wollte.

Die Geschichte könnte jetzt damit enden, dass sich alle glückselig in die Armen sanken und fortan in Freude und Glück lebten. Ein verlorenes Schäfchen! Eingearbeitet! Zurück an die Base? Hurra. Schlachtet ein Schwein und holt den besten Arbeitskittel aus dem Keller. Denn unser Schäfchen ist wieder zurück.

Nix da.

Es gab ein formales Bewerbungsgspräch, als wäre sie nie jahrelang tagein nachtaus in diesem Krankenhaus gewesen.

„… was ich unter Pflege verstehe. Wie ich mit Kritik umgehen kann, ob ich Teamfähig bin. Und egal wie ausgiebig meine Antwort war, mussten sie jedes mal noch dreimal weiter bohren, bis ich auch nicht mehr weiter wusste. Sie haben mich total verunsichert und auseinandergenommen. Das ganze Gespräch war richtig von oben herab. Das hätte ich nie gedacht – zumal sie doch wussten, dass es für mich bestimmt nicht einfach war, wieder anzukommen. Es fragt sich auch keiner, warum die Leute gehen. Wenn dann jemand ne zweite Chance möchte, kriegt man nen Arschtritt.“

Da fällt dir nichts mehr ein. Da fällt mir nichts mehr ein!

War da nicht was von Pflegenotstand und wie schwierig es ist, gutes Personal zu bekommen? Ich hab mich mit dem ein oder anderen Chef unterhalten und höre mir an, was sich da teilweise für Leute bewerben:

„Nachtdienst? Och. Lieber nicht. Da bekomme ich immer so Kopfschmerzen. Das ist ganz schlecht für mich. So hatte ich mir das nicht gedacht.“

Zeugnisse, bei denen man sich fragt: wie kommen die Leute darauf, sich damit zu bewerben.

Zeugnisse, bei denen man sich den Verdachtes nicht erwehren kann, dass der, der dich bewirbt so überhaupt keine Lust au den Job hat.

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Eckart von Hirschhausen / Facebook

Und dann gibt es eben auch PDLs, die sagen: „Och. Nö.“ Ohne Begründung. Ohne persönliches Telefonat. Schließlich kannte man sich ja seit Jahren.

Bestimmt gab es einen guten Grund. Einen, der sich mir nicht erschließt. Aber bestimmt einen tiptop Grund. Muss ja. Denn wie sonst könnte es sich eine Klinik leisten, auf eine gute Kraft zu verzichten.

Lieber kann man möglicherweise stattdessen einen Arbeitskreis gründen, warum das Pflegepersonal nicht dableibt. Oder wie man welche dazugewinnt. Also halt nicht alle. Andere. Immer Mittwochs ab 13 Uhr im Besprechnungsraum.

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Und nein: So etwas macht in Zeiten der weltweiten Netzkommunikation auch nicht die Runde. Nönö. „Du – wo soll ich mich bewerben? Bei dir in deiner Klinik?“ „UMGOTTESWILLEN! NEIN! Die gehen nicht wirklich nett mit ihrem Personal um.“

Es blutet mit das Herz. Wie wollen so Bedingungen geschaffen werden, damit die Pflege wieder in Strümpfe kommt, wenn es schon an so vielem, grundlegendem hapert?

Ach so. Ja. Stimmt. Es gibt vielleicht bald eine neue Form der Ausbildung. Das reißt es dann heraus. Da werden viele sagen: Ach – jetzt mit der generalisierten Pflegeausbildung – da mag ich ja sofort anfangen. Scheiß auf Geld, Wertschätzung und gute Bedingungen, unter denen man gerne arbeiten möchte.

Wie wäre es, wir würden erst einmal mit ein wenig mehr und grundlegender Empathie beginnen? Mit Wertschätzung untereinander? Oben wie unten? Allen voran ein guter und anständiger Umgang miteinander? Damit man wieder Lust bekommt, in solchen Strukturen zu arbeiten? Dass wir wieder gerne Helden sein mögen? Nur so als kleiner Anfang?

Sonst kommt meine Freundin gar nicht mehr aus dem Keks- und Kuchen backen heraus!

Sie fand jetzt übrigens doch ihr Glück.

„Die in der neuen Klinik sind bis jetzt alle das ganz krasse Gegenteil. Das Gespräch war mehr als angenehm und heute hat mich sogar die Fachbereichsleitung angerufen. Sie wollte sich vorstellen und hat mir schon bisschen was erzählt, weil sie leider nicht da ist. Sie wollte sich aber melden und sie freuen sich alle schon, dass ich ins Team komme. Auch, ob es okay ist, dem Leiter meine Telefonnummer zu geben. Der würde sich nämlich auch bei mir melden und meinen Dienstplan durchgehen. Ich dachte nach all dem Scheiß, ich bin im falschen Film.“ 🙂

Guck an. So geht es doch auch!

Es wird dennoch ein Weilchen dauern, bis diese Herzenwunden „verbacken“ sind.

 

 

 

 

 

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