Die Kurzfassung:

Siehe – ich verkündige Euch große Freude! Ich habe den „Goldenen Blogger für den Blogtext des Jahres“ gewonnen.

 

Goldene Bolgger Preis
Ein wunderbares Pimmelmännchen. Mit Flügeln!

 

Longversion = die epische Breite

Ich habe meine wohlvertrauten Klinikflure verlassen, um in der Hauptstadt bei der Preisverleihung der Golden Blogger zugegen zu sein. Ich tauschte meinem blauen Kasack mit weißer Hose gegen ein hübsches Kleid, lackierte mir die Nägel und machte mich auf. Immer schön raus aus der Komfortzone.

Dabei ist es für mich immer noch unfassbar: Ich, die stinknormale, alltägliche Krankenschwester mit einem Hang zu Worten und Schreiben wurde nominiert. Nominiert! Als ich das Ende des letzten Jahres las, fiel ich fast rücklings vom Stuhl. Der Stuhl auf dem ich saß, stand neben dem Krankenhausbett meines 80-jährigen Vaters, der zu dieser Zeit operiert wurde. HimmelhochjauchzendzuTodebetrübt. Das ist scheinbar das Gleichgewicht der Welt, von dem immer alle sprechen.

Allein schon neben all diesen- teils berühmten – Bloggern, den schönen und berühmten Menschen wie ihr es auf der Liste der Goldenen Blogger sehen könnt in einem Atemzug genannt zu werden, verursacht Tachykardie. 

Aber egal. Nominiert ist nominiert. Preis ist Preis.

Einmal tief atmen und los!

„Sag Kinderdok, wie machst du es jetzt mit der Anonymität?“

„Ach, Notaufnahmeschwester, was soll ich sagen…. Ich dachte, ich lass es mal drauf ankommen. Wenn ich nicht gewinne, hätte ich einen interessanten Abend gehabt und alles gut. Wenn ich gewinne…. ja nun. Dann werden wir sehen, wie es weitergeht!“

„Jo!“

Angst, Unbehagen, Atemlosigkeit, nur einen wagen Plan zu haben sowie Herzklopfen – das alles mit Lächeln, Kompetenz und einem sicheren Auftreten zu begegnen, habe ich in fast 21 Jahren Notaufnahme nahezu perfektioniert.

Die Gegend: Schick! Unter den Linden. Güldenes Haustürschild. Warum auch nicht.

 

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Mit der wunderbaren Juna von irgendwiejuedisch.com vor dem Eingang. Mal kurz Luft holen. Nicht mehr reinkommen, weil alle feiern und keiner mehr die Klingel hört. Von einem grantigen „Fräulein Rottenmeier“ die Tür geöffnet bekommen. Abenteuer pur!

Aber diesmal bin ich nicht als Tourist an den Gebäuden vorbei gegeangen, sondern habe locker im vierten Stock geklingelt. Wie so jemand, der das täglich macht. Im hübschen Fahrstuhl stieg die  rasend gutaussehende  Lilli Hollunder  sowie Rick Noack zu.

Leute: Ich bin mit berühmten und schönen Menschen im Fahrstuhl gefahren! Da soll mir mal der nächste Patient sagen, er wäre „Privat“versichert. Das kontere ich weg!

Es gab Häppchen, Getränke („Prosecco? Gerne! Schenk nach, du hübsches Nachwuchsmodell!“)  und viele Kameras. ARD und ZDF und RBB und MfG und OMG. Als ich an der Kamera von Promi Flash vorbeiging, zog ich den Bauch ein. Da bin ich durch 30 Jahre PromimagazinimKrankenhauslesen konditioniert. Verrückt.

 

Wenn man fremd ist, muss man selber ran. Und wenn man nicht vor Einsamkeit und Langeweile sterben möchte oder dem Unbehagen, sich nicht in der eigenen Komfortzone – dem bekannten Terrain – zu befinden muss man los, sein Glück im Moment suchen.

Jenny stand mit ihrem Kaltgetränk vorerst ebenfalls verloren an einem Stehtisch. Wenn einer steht, braucht es einen Kumpel. So will es mein soziales Gewissen. Und dann bestaunten wir den Raum. Die Menschen. Die lockeren Interviews in eine der unzähligen Kameras. Die strahlenden und kompetenten Lächeln beim unzähligen Klicken der Fotoapparate. Man kennt sich offensichtlich in der Szene. Man ist charmant und lächelt viel. Ist Klug und gebildet. Der Anzug sitzt und das Haar ist adrett.

Fühlt man sich fehl am Platz in einer so anderen Welt? Ja.

Na und? Jede neue Erfahrung ist eine gute Erfahrung.

So quatschte ich mit Tim, der einen Bass zusammengeschraubt hat und dem Gartenbaukünstler, der über sein Gärtchen bloggt.  Nicht zu vergessen Jenny, die Schweine liebt. ( Lebende. Nicht tote.)  Es gibt einfach unfassbar kreative Menschen.

 

Und dann lief ich in die geöffneten Arme von Frau Juna und dem Fräulein Read on.

Und auch wenn wir uns nicht kannten: es war wie ein Heimkommen unter Fremden – auch wenn wir uns noch nie gesehen hatten. Meine Damen: Ihr habt mir den Abend mit euer Anwesenheit und dem Kennenlernen unendlich versüßt. Möglicherweise habe ich mich auch ein wenig verliebt.

 

 

Vier Stockwerke durch sauber gefeudelte Treppenhaus tiefer das BaseCamp. Der Ort des Geschehens. (Frau Juna und ich haben übrigens den Blick für gepflegte Treppenhäuser. Falls einer fragt: Tiptop. Gruß an die Reinigungskraft!)

Noch mehr  Menschen, Gewimmel, Getummel, Geklirre, Lautstärke. Viel zu wenig Sitzplätze. Fast wie in der Notaufnahme. Nur mit Freigetränken.

Die Moderatoren waren unaufgeregt und einfach nett. Daniel Fine trugt einen ganz zauberhaften, güldenen Anzug. Die Goldenen Blogger Männchen standen in Greifnähe.

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Foto: von Monja

 

Meine eingeladene „Fanbase“ erwartete mich. Eine FacebookFreundin, die ich hier das erste Mal live und in Farbe traf (und ja – es war Liebe auf den ersten Blick!)  und die ihre Gesundheit an diesem Abend für mich ruinierte, in dem sie eine Nervositätskippe nach der anderen im Nieselregen vor der Tür mit mir rauchen ging.  Monja, meine unfassbar schlaue und bewundernswerte Bloggerfreundin, ihre Kamera  fürs Familienfoto im Anschlag und für immer eine der Krankenschwestern meines Herzens.  Musikerfreund Henrik, der die geschmeidige Musik für meinen Podcast komponiert hat  sowie meine Schwester und zauberhafte Nichte.

Kinder, watt schön! Alle wegen mir. Im Klinikalltag kommt nie einer wegen mir. Immer nur wegen was. Ich bin es nicht gewohnt. Aber ein Abend reicht dann auch wieder.

Drei Stunden, drei Saftschorlen sowie zwei Bier ( Ich schwör`! Und zwar nur weil: „Kaffee geht gerade nicht. Ist zu laut! Die Maschine stört!“) (und  einem zufälligen, inspirierenden und mit Herz geführtem Pläuschchen mit Florian )  später hätte ich fast meine Preisverleihung verquatscht.

Ich huschte gerade noch beim Applausometer auf meinen Sitz mit dem Bier in der Hand, als sich die warme Hand von Raul Krauthausenauf meine legte ( Freunde. Ich saß neben Raul Krauthausen!) und er sagte: „Glückwunsch. Dann hast du ja den Pott!“

Zack Bühne. Mit Bier! Das konnte ich so schnell nicht mehr abstellen. Gut, dass das mein Vater nicht gesehen hat! Oder meine Omma. Gott hab sie selig!

Ich bin Krankenschwester. Ich bin Siegerin. Ich stehe auf der Bühne. Bin das ich? Ist das Wirklichkeit? Hold my beer, honey. Und kneif mich! Krankenschwestern stehen an Liegen und Betten und schauen empathisch. Sie gehen normalerweise nicht auf Bühnen und werden für einen Text bejubelt. Aber warum eigentlich nicht? Zeit würde es endlich mal werden!

Ich habe gewonnen?

Ich habe gewonnen!

Und das gegen dasnuf und das wunderbare Fräulein mit ihrem wunderschönen Text. Überraschung! (Für mich am allermeisten!)

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Als ich Abend dem Klackern meiner Schuhe auf dem Großstadtasphalt zuhörte, war ich geflasht (und bin es immer noch). Ich habe einen Abend mit Menschen verbracht, von denen – oder über die – ich bei Twitter oder sonst wo im Netz lese. Die ich im Fernsehen sehe. Aber die ich nie (!) im meinem Leben treffen würde. Ha! Haste gedacht!

Ich war eine von ihnen. Alta! Krasser Scheiß!

Einen Tag später, unfassbar viele Nachrichten von Kollegen*innen und Freunden*innen sowie hunderte Kilometer weiter wartete meine Familie auf mich.

„Mama – ich feiere dich so!“, sagte einer meiner Söhne. „Mit`m Bier auf der Bühne! Wie so`n Star!“

Das mit dem Vorbild werde ich noch üben müssen. Obwohl….

 

 


P.S. Der Kinderdok wäre übrigens der Kinderarzt meines Herzens und meiner Kinder. Klarer Fall.

P.P.S. Ich lach immer noch über Worst of Chefkoch.

P.P.P.S  Norman ist ein Schnuckelchen!

P.P.P.P.S Frau Passmann bekommt von mir den Preis für das praktischste Kleidungsstück des Abends. Bei Verschmutzungen aller Art: einfach abspülen!

P.P.P.P.P.S Wer noch mehr lesen möchte ( ich bin auch noch nicht fertig) bitte hier entlang.

 

Euch allen: Danke von Herzen.

 

 

*Durch die Dunkelheit ans Licht. Oder auch: Durch das Raue zu den Sternen. Oder: Durch Mühsal gelangt man zu den Sternen.

Wie auch immer: Ab ans Licht!

Wie praktisch: Das ist auch ein Satz der Pflege. So musste ich mich gar nicht umgewöhnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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