Ihr Lappen!

Was haben folgende Patienten gemeinsam?

 

Ein Mann wird vom Rettungsdienst gebracht. Er hat Schmerzen im Zeh. Seinem Kumpel hat er in den Hintern getreten und jetzt tut es total weh. Den Rettungsdienst hätte er gebraucht, weil er nicht wusste, wie er sonst hätte in die Notaufnahme kommen sollen.

Eine Frau hat „Rücken“. Sie kommt laufend (!) mit dem Rettungsdienst. Drei Minuten später klingelt der Freund, der mit dem Auto jetzt ebenfalls da ist.

Ein Pärchen möchte sich seine Übelkeit behandeln lassen und eine Krankmeldung. Das Kettenkarussell auf dem Volksfest ist ihnen nicht bekommen. Sie möchten dafür modernste Medizin in Anspruch nehmen.

Ein Mann , der fünf Tage zuvor einen Sportunfall hatte, kommt um 23 Uhr.  Röntgen bräuchte es nicht. Schließlich wäre nichts gebrochen – das weiß er bestimmt.

Eine Frau kann seit zwei Tagen nicht aufs Klo. Jetzt ist sie besorgt, ob sie nicht vielleicht „platzt – oder so“ und möchte einen Einlauf „to go“.

Einem Mann war morgens schwindelig. Abends kommt er, um es abklären zu lassen – schließlich weiß man nie! Ob es vielleicht daran liegen könnte, dass er noch nichts gegessen hätte und ob er sich auch in die Notaufnahme eine Pizza liefern lassen kann?

Frauen bringen ihren betrunkenen Freund. „Er ist betrunken und ihm ist kalt! Da haben wir ihn gleich mal in die Notaufnahme gebracht!“

Freunde – ich könnte Stunden weiterschreiben. Stunden!

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Schick Hirn vom Himmel! Bildquelle: Pixabay

Was haben diese Menschen alle gemeinsam? Sie sind in den 1990- 2000 Jahren geboren. Und weil ich das hier in meiner Freizeit schreibe und nicht in der Empathiehölle, darf ich auch ganz ungeniert herausschreien:

IHR LAPPEN! WAS LÄUFT FALSCH BEI EUCH? HABT IHR ALLE KEINE MAMA?

Doch halt. Mama kommt oft mit und spricht für euch. Oder ruft aus einer 300 km entfernten Stadt an, ob ihre Tochter mit einer Blasenentzündung kommen kann und sie würde jetzt auch losfahren, um ihrem Kind beizustehen.

Völlig überfordert kommt ihr in der Notaufnahme an – ohne jegliche Idee. „Hier bin ich! Macht was! Egal was!“ Manchmal kommt ihr auch mit einer fertigen Diagnose, die ihr flugs gegooglet habt. Ja – vielleicht ist eure Verstopfung auch Krebs. Genau. Auf die Idee, mal mit Sauerkraut und Backpflaumen anzufangen, kommt ihr erst gar nicht. Wahrscheinlich weil es zu „krass einfach“ wäre und außerdem ist es ja keine „richtige“ Medizin. Und das braucht man schließlich, wenn man „ganz, ganz schlimm Bauchweh‘ hat, nicht wahr? Und es macht sich so gut in der Timeline, wenn man als Status „Bin im Krankenhaus!“ angibt. Das gibt unfassbar viele „likes“ und gute Wünsche von nah und fern. Es hilft bei der Heilung enorm, wenn ständig sämtliche Messenger des Handy permanent bimmeln, läuten und plingen und „Gute Besserungswünsche“ verkünden.

Ihr seid es gewohnt, Dinge jetzt, sofort und ständig zu bekommen. Ihr wollt ein Buch? Amazon Prime liefert es euch am nächsten Tag. Ihr wollte eine Reise machen? Computer an und zack –  gebucht! Ihr wollt einen Partner? Tinder runtergeladen und ein Abo bei Parship. Ihr wollt euch verabreden – Whatapp an und sofort seid ihr mit allen verbunden. Das ist die Lebenswirklichkeit dieser Jahrgänge. Damit sind sie alle aufgewachsen. Warum sollte es also anders sein, wenn ihr euch nicht so fühlt?

Oh – ein Schmerz. Ab in die Notaufnahme.

Da wird nicht gewartet. Spätestens, wenn euch ein Freund –  und jede*r hat diese wahnsinnig aufopferungsfreudigen, besorgten Freunde – am besten ein Medizinstudent im 2. Semster  – der muss es wissen, schließlich ist er ja Mediziner –  seid ihr überzeugt, dass ihr sofort kommen müsst. Auch wenn es nachts um drei Uhr ist. „Man weiß ja nie!“

Und dann dieses Wunderding – euer Körper:  Bei manchen Patienen könnte man glauben, er wäre eine Schaufensterpuppe, die hübsch geschmückt werden möchte. Manchmal auch eine Kaffeeaufnahmestelle und Pizzaverschlingmaschine.

„Ich mache jetzt eine Einmalkatherterisierung, damit wir steril Urin gewinnen können um man die Keime zu untersuchen, die sie ständig an Blasenentzündung leiden lassen.“

„Ah. Gut. Wohin kommt das Röhrchen?“

„In ihre Harnröhre.“

„Ist das das Loch, mit dem man Sex hat? Da, wo der Pimmel reinkommt?“

„Nein. Nicht ganz:“

*Durchatmen. Jung, hübsch, offensichtlich ein aktives Sexleben. Aber keine Ahnung von ihrer Anatomie „untenherum“. Wie kann das sein?*

Mütter (manchmal auch Väter) bringen ihre erwachsenen Nachkommen ( zumindest dem Alter nach) zum Röntgen. Sie wissen aber genau, dass „wahrscheinlich eh nichts gebrochen ist“. Außerdem nehmen sie nicht so gerne Schmerzmittel. Also generell. „Die Pharmaindustrie soll nicht unser Geld bekommen!“

Da möchte ich mich dann vertraulich vorbeugen und als Tipp den Dom empfehlen, welcher in 500 Meter Entfernung steht. So als kleinen Tipp. Dort finden Wunder aller Art statt – heißt es. Bei uns nicht.

Was sind das für Erwartungen, die die Menschen da haben?

Manchmal diskutiere ich mit meinen Kollegen. „Ich schätze mal“, so vermute ich,  „5 % dieser Altersgruppe hat wirklich was. Die ist ernsthaft krank. Hat eine richtig üble Krankengeschichte.“

„Bist du verrückt?“, sagen dann manche Kollegen. „So viele sind das nie und nimmer!“

Wir führen keine statistisch, relevante Erhebung. Es ist das Bauchgefühl. (Was andere sich leisten können, können wir auch.) Das kann auch schon mal irren. Die Mehrzahl dieser 1990 -ger Lappen hat jedenfalls ausschließlich Pillepalle. Und vertrauen modernster Medizin mehr als der Omma, der Zeit, die vieles heilt oder ihrem Körpergefühl, das selten existiert.

 

Erschreckende Erkenntnis

Irgendwann hatte ich die Erkenntnis, als ich mir einer der Mütter näher betrachtete, die mit ihrem Sohn und 39° Grad Fieber kam: Oh mein Gott. Es ist meine Generation.

Alle dieses „Kinder“ könnten meine sein – hätte ich ein wenig früher einen Mann gefunden und Kinder bekommen….

Es ist also meine Generation, die einen erheblichen Anteil an diese „Ich fühle mich ein bisschen schlecht, ich brauche sofort Hilfe!“ hat.

Und das verwundert mich. Immer und immer wieder.

Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern jemals mit mir im Krankenhaus gewesen wären. Als ich einmal mit meinem Fuß unter eine Wippe kam und ich die anderthalb Kilometer vom Spielplatz nach Hause humpelte, bekam ich einen Zink-Leim Verband und eine dicke Socke drüber. „Das wird schon wieder!“

Wurde es auch. Halt erst nach drei Wochen. Manches im Leben braucht eben Zeit. Und eine Bänderzerrung wird nicht besser, wenn man sie durchröntgt. Die Diskrepanz zwischen “ Ich nehme meine homöopathischen Notfalltropfen, nehme aber gerne Röntgenstrahlung in kauf“, erschließt sich mir immer noch nicht.

 

Ich bin Kind der Kriegskindergeneration. Damals gab es keine flächendeckende Versorgung mit Ärzten. Dazu gab es viel andere Menschen, die einen Arzt dringender brauchten, als die Generation meiner Eltern. So wurde sich halt selbst geholfen bei kleineren WehWehchen und sonstigem Gebrechen.

Irgendwo zwischen „Nix“ und maximaler Versorgung muss also etwas passiert sein, dass das Krankheitsverständnis, das gefühl für den eigenen Körper in Richtung „Es tut weh und ich bin absolut hilflos“ gerutscht ist.

Ist es, weil wir unsere Kinder besser (definiere besser) behandelt wissen wollen?

Ist das Wissen der Altvorderen mit ihnen gestorben?

Ist es, weil man heute so viel mehr über Krankheiten weiß, als früher?

Ich komm nicht drauf. Ich höre es dennoch auch in meiner Generation, auch in meinem Freundeskreis „Da musst du mal zum Arzt!“ „Und dann?“, frage ich? „Was genau erhoffst du dir davon, was du erst einmal auf keinen Fall selbst hingekommen würdest?“ „Naja…. Hilfe halt. Irgendwie…!“ Gerne  kommen dann worte wie  „sofort“, Notaufnahme sowie Facharzt“ daziwschengestreut. Der Hausarzt oder Kinderarzt scheint einfach nicht so kompetent zu sein. Dass manche gar weder über die Möglichkeit zum Röntgen noch Ultraschall verfügen, macht sie ja schon alleine suspekt.

Und doch sind die besten Ärzte, die ich kenne diejenigen, die auf all das Gedöns verzichten können. Sie können das, weil sie über jahrelange Erfahrung verfügen. Sie berühren einen Patienten und tasten ihn ab, sie hören ihn ab. Und dann wissen sie, was die Stunde geschlagen hat. Da kommt oft der ganze technischer Schnickschnack nicht mit.

Früher drückte der Arzt dem Patienten auf den Bauch und wusste, dass es eine Blinddarmentzündung ist. Heute ist es damit nicht mehr getan. Es braucht Ultraschall und Blutwerte, manchmal auch ein CT.

Medizinischer Schnickschnack ist super. Wir wissen immer mehr über Zusammenhänge und es gibt für viele Krankheiten neue, großartige  Behandlungsmethoden. Aber trotzdem hat sich an der Weisheit: ein Schnupfen dauert 1-2- Wochen ohne Behandlung – und mit Behandlung 10-14 Tage,  nicht viel geändert.

Das ist ja auch zu banal. Und deshalb vergammelt der Lesezirkel im Warteraum mit 200 kleinen Tricks bei Schnupfen, verzerrten Bändern oder Verstopfung. Die Apothekenumschau wird von den „1990- 2000 Lappen“ als Rentner Bravo verspottet und nicht gelesen. „Wir sind lieber gleich gekommen!“

Die Winkelfunktionen Sinus, Kosinus und Tangens können – gefühlt -alle berechnen. Aber wann Fieber beginnt und das man nicht sofort davon verstirbt, wissen sie nicht.

Nun bin ich wiederum tatsächlich eine Mutter, die recht unerschrocken ist im Umgang mit Krankheiten. Vieles ignoriere ich einfach weg. Mache einen Nivea-Umschlag, schnitze einen Apfel klein bei Verstopfung und warte aggressiv zu. Mit bisher besten Ergebnissen.

Und dennoch kam neulich das jüngste Kind mit einem Splitter und einer Nadel und wollte ihn „herausoperiert“ haben.

Kindspfoten waschen, Licht an, Nadel in die Hand unter eine Lupe (der Splitter war winzig), als das Kind in höchster Not rief: „Aber sie bloß sehr vorsichtig. ICH HABE GEFÜHLE!“

Seitdem rätsel ich, woher er das haben könnte.

 

„Meine Güte“, sagte ich zu meiner Kollegin, als wir mal wieder so einen hatten, der sich maximal anstellte bei minimaler Blessur. „Wie wird das erst werden, wenn die 2000der Generation  kommt.“

„Ach du guter Gott. Das hatte ich ja noch gar nicht auf dem Schirm!“, rief sie entsetzt auf.

Kommen sie dann in Begleitung ihrer Helikopereltern mit dem SUV vorgefahren oder holt sie gleich die Luftrettung? Hagelt es Anwaltschreiben, weil wir das Herzenkind nicht binnen 5 Minuten adäquat behandelt haben?

 

Ich bin sehr dafür, dass es Gesundheitsunterricht an Schulen gibt. Manche bieten es durchaus an – lese ich so hin und wieder. Dass Schüler flächendeckend in Erster Hilfe schon in der Schule ausgebildet werden und nicht erst, wenn sie den Führerschein machen. Und, dass Eltern ihren Kindern einen gesunden Menschenverstand mit auf den Weg geben.

 

 

P.S. Und für das Verständnis: Ich rede hier nicht von wirklichen Notfällen. Die gibt es und es ist sehr traurig, junge Menschen so krank zu sehen. Ich rede hier von den Lappalien, mit denen wir konfrontiert werden.

P.P.S „Lappen“ ist ein Vokabular aus den Youtube Clips meiner Söhne. Es passt so gut. „Du Lauch“ ist zu friedfertig. „Du Honk“ zu gemein. „Lappen“ hat was hilfloses, fluffiges. Etwas zutiefst passives.

P.SP.P.S. Und ja: Selbstcverständlich behandeln wir auch Lappen. Und reden uns den Mund fusselig in punkto: Gesundheitserziehung, Sex, Ernährung, Liebeskummer und Herzeleid.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Von Ingeborg Wollschläger

Dreißig Jahre war ich Krankenschwester und davon über zwanzig Jahre in einer Notaufnahme beschäftigt. Im März 2020 erschien mein Buch „Die Notaufnahmeschwester - ein Alltag zwischen Leben, Tod und Wahnsinn“ im Penguin Verlag. 2018 kehrte ich der Pflege den Rücken und bin seitdem als Seniorenreferentin für die Betagten meiner Kirchengemeinde zuständig. Gepflegt wird nun nicht mehr: Jetzt wird "gehegt". In Gruppen und Kreisen, Gottesdiensten und bei jeder Menge Hausbesuchen bin ich mit den Seniorinnen und Senioren in engem Kontakt. Mit großem Interesse lausche ich dort den Geschichten der alten und manchmal auch sehr weisen Menschen. Der wahre Luxus meines derzeitigen Berufes ist, dass ich Zeit habe, mir Lebensgeschichten anzuhören. Ich darf nachfragen und bekomme fast immer Antworten. "Nebenbei" bin ich freiberufliche Journalistin für das Radio (u.a. Klassik Radio) sowie Mitglied der Redaktion des „Evangelischen Sonntagblatts aus Bayern“. Ich habe drei Söhne, einen Halbtagshund und liebe Suppe.

101 Kommentare

  1. und wegen genau solcher Lappen, habe ich 3 Jahre stärkste Schmerzen erlitten, kein Facharzt konnte helfen mich nicht ins Krankenhaus getraut weil ‚die sagen ja eh nur, was wollen sie jetzt hier, das ist ja nicht akut’…irgendwann dann doch, kurz vor der Komplettaufgabe gegangen, was ist passiert? Genau mein Horrorszenario bbin nicht ernst genommen worden, kann ja noch laufen ddann können die nervenschmerzen im bein ja nicht soo schlimm sein (hab mir halt angewöhnt die schmerzen zu überlächeln). inin eein tiefes Loch gefallen weil ‚KH war mein letzter Ausweg, wenn die mich jetzt auch wegschicken‘ (manman mmuss dazu sagen ich bin dummerweise bei den bauchchirugen gelandet).. 33 TaTage durchgeweint wg Verzweiflung, letzter Kraft Termin in Endometriose Sprechstunde ausgemacht, eine Woche später komplett saniert worden. oOrgane bbefallen usw. 9 Monaten nach der Op immer noch täglicher Kampf mit den chronischen Schmerzen. Ich bin erst 30 Jahre alt u mein größter Wunsch ist es einen kleinen Spaziergang machen zu können
    Danke ihr Lappen wg euch werden echte erstmal unauffällige Fälle nicht mehr ernst genommen

    sorry für Groß u Kleinschreibung da waren jetzt die Tränen im Weg

  2. Herrlich … und absolut auf den Punkt gebracht. Ich wundere mich bei so manchen auch nur fünf oder zehn Jahre jüngeren Leuten sehr über die Wehleidigkeit, die aus einem Schnupfen eine potentiell tödliche, hochansteckende Seuche stilisieren.
    Bei so einigem wäre Arschbacken zusammenkneifen und durchstehen einfach immer noch die beste Lösung …

  3. Kommt nachts ein Päärchen von weiter weg. sie seeeehr dünn, hat ganz solle Bauchweh. Schaue meine Kollegin an, denke ein Butterbrot täte hier Wunder wirken. OK doc geweckt, Labor geweckt. Freund wird heim geschickt um Sachen zu holen. „Was?! Muss ich bleiben? Hmmm Wunderheilungen dauern etwas. Bis Copa Infusion angehänkt. Freund kommt nach 50km mit der Zahnbürste wieder. Patientin hat nach Infusion keine schmerzen mehr und meint dann, ach sie geht dann doch lieber heim. Zurück bleiben ich, ein doc, ein labor, ein dreckiges Bett und ein irritierter Freund bzw. Der darf Dame heim fahren. #kopfauftischhau

  4. Hach, wenn sie doch wenigstens Sinus, Cosinus und Tangens berechnen könnten. Oder immerhin wüssten, was es ist oder wo man es in etwa findet.
    Aber genau diese Generation bewirbt sich um eine Ausbildung und scheitert bei einem einfachen Test (kein Auswahltest, nur um bei den besten Kandidaten den ungefähren Leistungsstand abzuprüfen) Bruch- und Prozentrechnung – sagt ein ehemaliger Ausbilder.

      1. Ja.
        Die sind quasi tot, sobald man ihnen das Handy wegnimmt.
        Kopfrechnen? Einfacher Überschlag, damit man ungefähr weiß, ob es an der Supermarktkasse eher 20 oder 80 Euro werden? Beides Fehlanzeige. Gibts doch ne app für.

  5. Häufig ist die Antwort auf „Was soll der Arzt da machen“ ein schlichtes: Einen Krankenschein ausstellen damit man zuhause bleiben kann.
    Machen kann der nix. Aber weder ich, noch das Kind können einfach so zum Auskurieren zuhause bleiben sondern müssen uns in die Praxis schleifen, da 3-5 Leute anstecken, 1-2 Seuchen einsammeln und nen bunten Zettel mitnehmen.

    1. Korrekt. Das der Arzt nichts machen kann, weiß ich selber, Zwiebelsaft ist schon angesetzt (das stimmt Ärzte übrigens sehr milde), aber weder ich noch mein Mann können einfach so zu Hause bleiben. Dabei wäre oftmals schon viel geholfen, wenn man in der Winterzeit das Kind einfach mal nur einen Tag heim lassen könnte, damit es sich von der durchhusteten Nacht erholt und am nächsten Tag wieder in den Kindergarten gehen kann.

  6. Grundsätzlich: absolute Zustimmung.

    Zum Thema Hausarzt: Meine Hausärztin (Wechsel schwer möglich wegen Aufnahmestopps in weitem Umkreis, obwohl Großstadt Hamburg ..
    ) hat mich schon 2 x hilfesuchend gefragt, „habe sie das schon mal gegoogelt?“. Noch Fragen, warum ich außer für Impfungen direkt zum Facharzt gehe?

    P.S. War in diesem Monat Patient in der Notaufnahme. Interesse an einem Gastbeitrag aus Patientensicht?

    1. Ich war erst zweimal in der Notaufnahme oder beim ärztlichen Notdienst, und das obwohl ich doch schon einiges hatte, und Unfälle anziehe wie ein angedätschter Apfel Fruchtfliegen.
      Das erste Mal habe ich nicht viel mitbekommen. Ich hatte mich mit Schmerzen durch das Wochenende geschleppt, bin am Montag erst zum Hausarzt, und der diagnostizierte Blinddarmdurchbruch. Dann bin ich in die Notaufnahme, da wars schon Spitz auf Knopf, und ich habe nicht so viel von den anderen mitbekommen.
      Das zweite Mal hatte ich mir die Schulter ausgekugel, am Pfingstsamstag. Zum Notdienst bin ich erst am nächsten Tag, und da wimmelte es morgens schon vor Menschen. Eine flog am Nachmittag weg und hatte Flugangst. Ein Paar war mit ihrer kleinen Tochter da zur Gipskontrolle, unter der Woche hatten sie es „nicht geschafft“. Einer hatte ein Ziehen im Rücken, einer jungen Frau war schlecht, lauter so Sachen.
      Einiges habe ich selbst mitbekommen, ein paar Sachen zählte mir die Röntgenschwester (sagt man das so? Irgendwie habe ich dieses Wort im Sinn) auf. Zu der hatte ich nämlich gemeint es täte mir leid daß ich so hereinschneie, wo doch so viel los ist. Die guckte mich ganz verdutzt an und fuhr mich regelrecht an „SIE HABEN JA WENIGSTENS WIRKLICH WAS!“
      SIe entschuldigte sich sofort und sagte es sei sehr schwer, ruhig zu bleiben. Verstehe ich auch. Bis dahin hatte ich kein Bild davon, wie es da zugeht. Anfang diesen Jahres war ich im Krankenhaus, da war es übrigens nicht viel besser. Einer meiner Zimmergenossen (ich hatte sechs, war etwas länger da) hat laut geschrien, als ihm der Pfleger einen Drainageschlauch gezogen hat, und sofort starke Schmerzmittel verlangt 🙄

      1. Hallo George,

        mir wurde dieses Jahr auch ein Drainage-Schlauch aus dem Arm gezogen und das hat verflucht wehgetan. Ich hab zwar nicht geschrien, aber das lag nur an guter Erziehung nicht daran, dass es nicht sehr weh tat. Ich glaube das hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, wie schlimm/nicht schlimm das ist. Mir war danach richtig schwindlig und schlecht. Also verurteilen Sie den Schreihals nicht zu sehr, vielleicht hatte er allen Grund.

      2. Nein, es heißt nicht Röntgenschwester sondern MTRA = Medizinisch technisch radiologisch AssistentIn

  7. Ich muss sagen, ich (Seit vier Jahren Sanitäter im Katastrophenschutz) habe der Notaufnahme in der Nähe auch schon mal solche Patienten eingebrockt:

    Diesen Sommer beispielsweise hatte ich auf einer Jugendfreizeit eine Teilnehmerin, die beim Versuch, einem Kumpel eine runterzuhauen sich dermaßen die Hand gestoßen hat, dass ich den Verdacht einer Fraktur im Handbereich hatte.
    Wir waren auf einer Insel, es war nachts um kurz vor zwölf. Nach Transport mit dem Seenotkreuzer und dem RTW ins nächstgelegene Krankenhaus brauchte der Arzt 5min um festzustellen, dass wir uns getäuscht haben, und Kühlpack ausreicht. Aber mit meinen Mitteln vor Ort (kleiner Sanitätsrucksack) konnte ich das nicht einschätzen und wollte die Verantwortung auch nicht haben.

    Ich denke, das Beispiel zeigt: es ist eine Bequemlichkeitsfrage: Wenn ich auf einem Segeltörn (mit ähnlichen Teilnehmern) weit draußen auf der Ostsee bin, nehme ich erstens ein paar Medikamente mit, und zweitens gönne ich mir bei einer Hilfsfrist von drei Stunden und mehr dann doch etwas mehr Beobachtungszeit, um diese Entscheidung zu fällen. Da wir aber in Zivilisationsnähe waren (Anruf Seenotleitung bis Ankunft im Krankenhaus unter einer Stunde) War die Folgerung Frakturverdacht -> zur Abklärung ins Krankenhaus nach einer ersten Untersuchung ziemlich schnell getroffen. Aus logistischen Gründen schied leider mein Schlauchboot aus (wer sich nicht festhalten kann, hat auf nem offenen Boot nichts verloren.)

    So sehr ich auch über solche „Notfälle“ meist fluche, das als kleiner Gedankenanstoß. Vielleicht ist der Weg in die Notaufnahme einfach zu schnell die bequemere Lösung.

    LG
    Jakob

    1. Sorry…die Situation die Du da beschreibst ist nicht vergleichbar…denn da gibt es einen kleinen Unsicherheitsfaktor mit dem Namen „Eltern“, die dann u.U. klagen, wenn Deine Einschätzung nicht so ganz gestimmt hat.
      Daher geht es da weniger um „die Verantwortung“ sondern eher um „Ich schütze meinen Hintern“ und sichere mich ab….auch wenn es, meine Erfahrung aus der Kinder/Jugendarbeit, meist nicht nötig ist…okay bin bei den Pfadfindern und da kann es natürlich sein, dass da etwas mehr selektiert worden ist….

      bombjack

  8. Die Leute meiner Generation machen das glaube ich mitunter deshalb, weil sie nicht weiter darüber nachdenken, was sie da wirklich tun. Es ist ein wenig so, als wäre der rote Teppich ausgerollt und man warte nur auf sie. Vielleicht waren sie zu selten zu Besuch im Krankenhaus und wissen nichts von tatsächlichen Krankheiten, vielleicht… Aber ich bin anders erzogen worden und käme nie auf die Idee wegen so einem **** in die Notaufnahme zu marschieren. Ich glaube wirklich, dass diese Menschen einfach keine Ahnung haben was dort geleistet werden muss, weil sie schwere Krankheiten womöglich gar nicht kennen!? Zumal es mittlerweile zB hier in München etliche Bereitschaftsdienste gibt, die sogar nachts zu einem gefahren kommen. Und die Möglichkeit telefonisch abzuklären, ob ein Aufschlagen in der Notaufnahme sinnvoll wäre.
    Vielleicht hilft ja ein Aufklärungsvideo im Warteraum 😉

    1. Ich denke auch, es ist ein Wohlstandsproblem.. Alles bekommen, und zwar jetzt sofort, und ohne Murren. Ich habe ein Problem, oder glaube eines zu haben, lös das für mich, denn dazu bist du ja da. Gedanken über andere macht man sich nicht.

  9. Ich bin Krankenschwester und kann das schon bestätigen. Trotzdem muss man sehr vorsichtig sein…oft denkt man der hat ein knall und stellt sich an…und dann hat er wirklich was schlimmes und man hat es unterschätzt! Ich selbst als patient auch schon erlebt. Mit bauchschmerzen gekommen und sprüche gehört…genießen sie doch mal ihr kind oder bei dem anstrengenden job suchen sie sich mal einen ausgleich…finde das schon frech.

    1. Ja- das empfinde ich nicht nur so frech, sondern schon anhezu unverschämt. Grundsätzlich muss man alle ernst nehmen. Vieles relativiert sich mit zunehmender Wartezeit. Aber wer seine Patienten nicht ernst nimmt, hat in einer Notaufnahme nichts verloren. Und auch wenn man oft innerlich denken mag, dass der/die einen Knall hat, das es bis zum Meer zu hören ist – ernst nehmen!

  10. Ich habe über die Beschreibung herzhaft gelacht, auch wenn es eigentlich ein ziemliches Trauerspiel ist. Bei „Ich habe Gefühle.“ brach es lauthals aus mir heraus. Danke für den ersten Lacher des Tages.
    Ich glaube (leider), diese Sofort-Jetzt-Und-Schnell-Mentalität bei Notversorgungen bekommt man nur mit finanzieller Selbstbeteiligung in den Griff. Wenn es weh tut im Portomonaise, dann ist man bereit, auch mal das gut gestylte Köpfchen einzuschalten.

    Ist die Notaufnahme eigentlich schon eine beliebte Selfie-Zone?
    Und gibt es vermehrt Patienten mit notaufzunehmenden Selfie-Armen? 😉

    1. Tatsächlich fragen manche, ob ich nicht ein Foto von ihnen machen könnte. Und das mach ich dan auch gerne. Selfie-Arme hatte ich noch nie. Aber wenn du dann mal in ein Zimmer kommst, in dem ein „Lappen“ liegt mit den „schlimmsten Bauchschmerzen ever, ever, ever“ und ein Duckface Selfie von sich unter dem Monitor knipst, relativiert sich das Leid dann doch schon ein bisschen 😉

    2. Die Finanzielle Selbstbeteiligung hatten wir jahrelang mit 10 Euro. Das hat die Leute um keinen Deut abgehalten. Ich war also nicht nur krankenschwester, sonderen auch Geldeinsammlerin in dieser Zeit und „ständig die gleichen Sprüche Anhörerin“. Als hätte ich mir diese Paxispauschale mir ausgedacht….

      1. Ich bin ja der Meinung, dass man die allgemeinen Gesundheitsausgaben erheblich reduzieren könnte, wenn man Medikamente viel konsequenter in Zäpfchenform ausgeben würde, …

        „Ach, öhm, ne, so schlimm ist es dann doch nicht, …“

  11. Ich arbeite im Notfalllabor und kann das, was du hier beschreibst nur bestätigen.
    Wir sind immer begeistert, wenn als Argument für nächtliche Besuche der Notfallambulanz der Grund angegeben wird: „Beim Hausarzt muss ich immer so lange warten“. Beliebt sind auch Aussagen wie diese: „Können sie mir nicht auch noch schnell die Blutgruppe mitbestimmen – die würde mich sehr interessieren“ – oder – „Meine Fettwerte wurden auch schon lange nicht mehr bestimmt.
    Hätten wir diese Lappen nicht als Patienten müssten richtige Notfälle nicht so lange warten.
    Mit lieben Grüßen, Anette

  12. Lustig, was da für Lappen (den Begriff kenne ich von meinem Sohn) unterwegs sind und mit welchen Kleinigkeiten die sich in die Notaufnahme trauen (und vielleicht sogar noch stundenlang warten, weil ein paar Memmen vor ihnen noch dran sind!)
    Andererseits erziehen einen viele Ärzte zur Unselbstständigkeit. Als ich meinem Hausarzt Mitte der 90er anvertraut habe, dass mir Brennesseltee gegen beginnende Blasenentzündung hilft, erntete ich nur Kopfschütteln. Und das ist kein Einzelfall.
    Ich überlege gerade, wie früher bei uns die Hausapotheke bestückt gewesen war – ungefähr Mitte der 60er Jahre: Da gab es Aspirin, Hustensaft, eine Salbe gegen alles. Dazu hatten wir eine elastische Binde und ein Fieberthermometer – und damit wurde die ganze Familie gesund gehalten. Wenn ich mir unsere Bestände heute so anschaue, dann ist das schon ganz schön übertrieben.
    Es gibt wenig Ärzte, die einen auf eine nötige Änderung der Lebensweise hinweisen, solange keine extremen Exzesse beim Patienten offensichtlich sind. Da steht eine ganze Industrie dahinter. Vorschläge, wie „Warme Wickel“, „heißes Bad“ oder „ausreichend schlafen“ sind nur schwer zu Geld zu machen.
    LG
    Sabienes

    1. Hausapotheke. Ja, sowas hatte man früher, ich habe auch eine. Pflaster, Verbandmaterial, Elastikbinden, eine Schere, Wundsalbe, sowie Jodtinktur und Kodan Spray. Unsere Tierärztin, die ich nach einem ordentlichen Kratzer vom Kater mal verarztet habe, fand das lobenswert.

  13. Ich finde es gut, sowas von einer Fachfrau zu lesen. Wenn ich mich über so etwas aufrege, werde ich immer angesehen wie ein seelenloses Monster ohne Mitgefühl. Aber ich bin das halt noch ganz anders gewöhnt und kann nur den Kopf schütteln, wenn mein Umfeld mir empfiehlt, mit einer Erkältung zum Arzt zu gehen. Was soll der denn machen? Tee und ein Erkältungsbad muss ich trotzdem selber kaufen, dafür gibt’s kein Rezept. Und wenn ich krank bin kann ich mir wirklich schöneres vorstellen, als Ewigkeiten in einem Wartezimmer zu sitzen.

    Die Leute trauen halt keiner Erfahrung mehr. Ich habe auch den Eindruck, dass im Zuge der (an sich richtigen) Ablehnung von Homöopathie auch viele Haus- und Naturmittel unter die Räder kommen. Da reicht es dann halt nicht mehr, wenn ich einer Freundin bei Bauchweh erstmal Fenchel/Anis/Kümmel-Tee empfehle. Das ist ja nichts „richtiges“…. und überhaupt ist Fencheltee ja soooo eklig m(

    Ich bin froh, anders erzogen worden zu sein, auch wenn ich mich an mindestens drei Vorfälle erinnern kann, an denen man mich als Kind zum Arzt hätte bringen müssen, es aber nicht oder erst sehr spät getan hat. Das Schlimmste war ein Unfall im Urlaub: Ich fiel von einem Klettergerüst runter, überschlug mich und landete auf dem Nacken. Ich hatte einen Schock und konnte den Kopf zwei Wochen lang kaum drehen. Zum Arzt hat man mich trotzdem nicht gebracht, war ja Ausland und damit alles viel zu kompliziert. Naja… 20 Jahre später machen wir wieder einen Ausflug mit der Familie, meine erwachsene Cousine bekommt eine Erkältung und wird einen Tag, bevor wir sowieso wieder heim gefahren wären, 150km nach Hause kutschiert. Sie wurde Anfang der 90er geboren, ich in den 80ern. Schon krass, wie sehr sich das in wenigen Jahren geändert hat.

    Und noch eine Sache, bei der mir diese Lappenhaftigkeit aufgefallen ist (sorry, grade kommt sehr viel hoch ^^): Beim Thema Abnehmen. Auf Jodel (eine Community, in der hauptsächlich Studenten Anfang 20 schreiben) lese ich ständig von Leuten, die nach Diättipps fragen. Das sind dann abgesehen von ihrem Übergewicht kerngesunde junge Menschen, die von anderen kerngesunden jungen Menschen mit einer hysterischen Panik überschüttet werden, weil sie vielleicht mal ne Mahlzeit auslassen oder gar mal 1-2 Tage fasten wollen. Fasten geht sowieso HÖCHSTENS nach einer intensiven Untersuchung plus Blutanalyse und Beratung durch den Hausarzt und selbst dann verläuft es scheinbar in 90% der Fälle tödlich. Dieser Eindruck entsteht jedenfalls, wenn ich so etwas lese.

  14. Ist auch sehr spannend aus der Sicht des Patienten….
    Ich hatte vor ein paar Monaten das Unglück, das es mir so beschissen ging, das mein Hausarzt mit seinem Latein am Ende war, und verfügte, das ich mich sofort in die Notaufnahme zu begeben habe. Als ich dort aufschlug, war ich quasi sofort dran, was den Wartebereich gehörig aufwühlte. Ich mein, mir war zu dem Zeitpunkt eh schon alles wurscht, mein Angehöriger im Wartebereich durfte sich derart dämliche Sprüche anhören, das er dann mal kurz die Contenance verlor. Und ganz gegen seine Art sehr deutlich wurde.
    Er meinte hinterher, das er den Eindruck hatte, das anwesende Personal hätte am liebsten Beifall geklatscht.

      1. Der Angehörige regt sich ja jetzt noch auf. Originalzitat: „Die saßen dort rum und konnten noch meckern, also kanns ja nicht so wild gewesen sein!“
        Bißchen blöd ist das mit dem Wartebereich schon gelöst, da sitzen halt wartende Patienten und wartende Angehörige zusammen an einer Stelle, aber kannst ja nicht noch separate Wartezimmer bereitstellen. Der meinige hat nach kurzer Rücksprache mit dem Doc dann gemacht, das er dort wegkam, das ich dableiben darf, war ja eh klar. Nach großzügiger Gabe von Schmerzmitteln war ich ja dann auch wieder halbwegs denk – und kommunikationsfähig.

        PS:
        Die sogenannte gute Erziehung behindert einen ja schon manchmal…

  15. Danke für diesen differenzierten Text, der nicht nur über die „Lappen“ jammert, sondern auch nach möglichen Gründen und Lösungen fragt. Ich kann mir vorstellen, dass ein rechtzeitiger „Gesundheitsunterricht“ vielen dieser verstörten Menschen hätte helfen können, so etwas wie ein Gefühl und Verständnis für ihren Körper und eine Einschätzung für die Bedrohlichkeit von Störungen vermitteln können.

    Ich kenne solche Situationen aus eigener Anschauung und kann bestätigen, dass in den Schilderungen keine Übertreibung steckt. Ich denke oft, was machen diese Menschen, wenn wir nochmal richtig schlechte Zeiten bekommen. Die häufige Weigerung für das ureigenste körperliche Wohl Verantwortung zu übernehmen. Die schier grenzenlose Anspruchshaltung. Das augenscheinliche Gefühl, permanent mit allen anderen (in diesem Fall den anderen Wartenden) in Konkurrenz zu stehen und die panische Furcht zu kurz zu kommen, wenn man nicht ständig auf sich, die Kenntnis der eigenen Rechte und die Absicht, diese durchzusetzen, aufmerksam macht. Und vor allen Dingen die zunehmende Aggression und Rücksichtlosigkeit.

    Der Begriff, der mir immer wieder durch den Kopf geht ist „Wohlstandsverwahrlosung“. Nicht Wohlstand im Sinne von Reichtum. Viele der Unbeholfenen, viele der Rücksichtlosen sind erkennbar nicht wohlhabend. Die anscheinend Wohlhabenden und die, die demonstrativ ihre hohe formale Bildung vorführen, sind auch nicht automatisch rücksichts- und verständnisvoll. Aber sie haben gemeinsam, dass immer mehr von ihnen das Verständnis fehlt, wie wertvoll ein Gemeinwesen ist, das einem jederzeit Zugang zu professioneller Hilfe bei Krankheit bietet. Das ist in vielen Ländern der Erde nicht selbstverständlich. In viele Gegenden gibt’s keine Krankenhäuser in Reichweite. Und in vielen anderen Gegenden gibt es die zwar, aber nur eine Minderheit kann es sich leisten, sich dort behandeln zu lassen.

    Respekt, wenn Sie sich da die Haltung bewahren, immer jeden solange als echten Notfall anzusehen, bis das Gegenteil sicher erwiesen ist. Ganz viel Respekt. Ich kenne Ärzte, Pflege- und Rettungskräfte, die unter diesen Eindrücken zynisch und sich mit dem Zynismus verhärtet haben. Manche früher, manche später. Sie schaffen es, solche Beobachtungen in einer Weise zu schildern, die auf mich nicht zynisch sondern sehr differnziert wirkt. Mein Kompliment dafür.

    Ich setz‘ mal ein Lesezeichen.

    1. Vielen Dank für Ihren Kommentar. „Wohlstandsverwahrlosung“ ist ein passender Bericht. Ja- ich bemühe mich, Haltung zu bewahren. Das gelingt mal besser und manchmal auch nicht. Mir hat mal Patient gesagt: „Das wichtigeste an ihrem Beruf ist wohl, dass man kein Arschloch wird!“ Er hat recht.

  16. Ich bin in den 70ern geboren, meine Eltern sind die Kriegskindergeneration, entsprechend gab es bei uns viele Hausmittel, die ich nach wie vor schätze: diverse Wickel bei Fieber oder Halsschmerzen, verschiedene Kräutertees, inhalieren bei Husten, gurgeln bei Halsschmerzen, Wärme bei Rückenschmerzen oder Verspannungen, erst mal Abwarten. Was ich hasse, ist eine Krankschreibung holen zu müssen, wenn ich genau weiß, dass es mir besser tun würde, einfach Bettruhe zu halten, anstatt in die nächste Arztpraxis zu wanken. Diese ganzen Hausmittel sind auch alles sehr sinnvoll.
    Was ich mir aber – aus eigenen Erfahrungen – vorstellen kann: Manchmal wurden die Angehörigen dieser Generation (also auch Deine, wenn ich das richtig verstehen) mit ihren Schmerzen nicht ganz ernst genommen oder auch nach dem Prinzip „Indianerherz kennt keinen Schmerz“ etc. abgefertigt – vielleicht gar nicht mal nur bei körperlichen Schmerzen, sondern erst recht bei emotionalen Problemen: „Stell dich nicht so an“, „Reiß dich zusammen“ – ich glaube, die Angehörigen dieser Generation kennen diese Sprüche ziemlich gut und wollten, ob bewusst oder unbewusst, genau DAS bei ihren Kindern, die ab den 90ern geboren sind, anders machen – und dabei ist das Pendel in die andere extreme Richtung ausgeschlagen…

    1. Vielleicht ist es auch das. Wie bei so vielem wäre der goldene Mittelweg – so es ihn überhaupt gibt – die ideale Geschichte. Denn ein „Reiß dich zusammen“ kann genauso falsch oder richtig sein wie ein Hören auf jeden Pups, der verquer sitzt.

  17. Das scheinen mir dieselben zu sein, die ihren Kindern immer gleich Pseudomedizin in den Rachen kippen statt ihnen beizubringen, dass sich sich unser genialer Körper in den meisten Fällen mit etwas Ruhe und Zeit durchaus selber heilen kann.
    Aber: Wer erlaubt uns überhaupt noch diese Ruhe und Zeit? Wir haben ja schon die Schulbehörden am Hals und muss ein Arztzeugnis bringen, wenn ich den Kurzen bei echter Grippe (!!!) länger als 3 Tage zuhause behalte! Und unsere Arbeitgeber, was würden die von uns denken, wenn wir bei Schnupfen mal ein paar Tage ruhen und Tee mit Honig trinken würden oder gar selbst gesund, einfach zum Wohle unserer kranken Kinder zuhause bleiben würden? Stattdessen jagt und die kapitalistische Gesellschaft zum nächsten Notarzt, Medizin holen, damit wir möglichst asap wieder die Kassen unserer Chefs füllen können. Anders gesagt: Es gibt da nicht nur die Lappen, sondern auch einem gesellschaftlichen Kontext zu dem beobachteten Phänomenen.

  18. Hallo, ein kleiner Bericht aus Patientensicht.
    Morgens die Socken angezogen, kurz gegähnt und die Hände nach oben gestreckt, plötzlich eine Körperhälfte taub.
    Meine eigenständige Diagnose: Schlaganfall. Frau nicht da, Baby aufgewacht und schreit. Ich also in dem Zustand noch das Kind getragen. Frau kommt nach Hause, fährt mich zum Hausarzt. Den Weg erkannte ich schon nicht mehr. Der schickt mich mit Überweisungsschein und entsprechender Diagnose (Verdacht auf….) in die Notaufnahme. Und dort: warte ich erstmal über eine Stunde, obwohl ich in der Anmeldung den Überweisungsschein mit dem Hinweis „Verdacht auf Schlaganfall“ abgegeben habe. Nach ner Woche bin ich wieder aus der Stroke raus. Danke, liebe Lappen. Nein nicht Lappen, Muschis.
    Hätte ich mich doch nur mit dem Krankenwagen holen lassen, vielleicht hätten die in der Anmeldung der Notaufnahme den Rettungssanitätern mehr geglaubt als meinem Hausarzt.
    Na ja, wenigstens weiß ich jetzt dass ich einen ASD habe, der bei „Manövern“ aufgeht.

  19. Die Notfallaufnahme als ein 24 Stunden Versorgungsladen mit Express Service (gebe nur 3 von 5 Sterne) wie so ein Boxenstopp: rein, Schnellcheck, Reparatur, raus. Alles passiv konsumierend und doch skeptisch besserwissend.
    Dein Text gibt mir einen interessanten Einblick mit Erklärungsansatz. Ich frage mich häufig, wie sich die Beschleunigung und das Sofort-Haben-Können der Digitalisierung auf die (jungen) Menschen auswirken. Es scheint in Richtung Infantilisierung der Gesellschaft zu gehen, die nicht den Ü-Ei-Test bestehen würde.

    Meinen Vater fiel mal die Bohrmaschine aus der Hand und durchbohrte seinen Zeh. Er ging zum Auto und fuhr selbst in die Notaufnahme…

  20. Sehr treffend ausgefrückt . Und die ersten „Lappen“ haben auch schon Kinder. Wenn man einer Mutti mittags das Kiga Kind mit einem Pflaster am Knie zurückgibt, kommt sie nicht selten am nächsten Tag vorbei, sie wäre zur Sicherheit doch auf die Notaufnahme gegangen……

  21. Nun, ich war auch so ein Lappen, für 3 Monate. Ständig ins Krankenhaus, vorzugsweise nachts, immer mit unklaren Beschwerden, Schwindel, Kopfschmerzen, Herzrasen, Lähmungen in den Füßen. Wenn ich dann da war, ging es mir schlagartig besser. Meine schönste Erinnerung an diese Zeit sind die 3 Stunden, die ich einmal im Behandlungsraum in der Notaufnahme warten durfte, bis meine Blutergebnisse da waren. Warm, sicher, in dem gleichen Raum, in dem mein Vater, der 4 Monate vorher gestorben war, auch öfter behandelt wurde. Ich hatte eine schwere klinische Depression – denkt man sich schon beim Lesen, glaube ich. Nach einem Zusammenbruch bin ich dann mal endlich in die richtige Abteilung gekommen und da dann gleich 10 Wochen geblieben. Ich bin den Schwestern, Pflegern und Ärzten der vershciedenen Notaufnahmen immer noch enorm dankbar, dass sie mich nicht haben spüren lassen, dass ich ein Lappen war, denn ich war wirklich sehr schwer krank, bloß nicht körperlich.

    1. Kenne ich, habe ich letztes Wochenende leider auch durchgemacht. (Zum Glück war auf der Notaufnahme groß nichts los und der Arzt hat sich noch minutenlang mit mir über seine Panikattacken unterhalten, die er nach einem Verkehrsunfall vor zig Jahren hatte.)

  22. Wir sind hier bei Stufe 2 von „Die Lappen haben Kinder.“ Die machen die Erzieherinnen inzwischen so wuschig, dass es keine Pflaster mehr gibt, sondern gleich einen Anruf bei den Eltern. Hier wegen: gestürzt, hat Beule, weint. Für mich ein Fall für Trost, Kühlpäckchen, abwarten. Statt dessen wurde darauf bestanden, dass ich komme („Sie weint!“), und bis ich nach kurzer Arbeitsübergabe, Fahrtweg, Parkplatzsuche knapp eine Stunde später da war, kam mir ein fröhliches Kind entgegengerannt und sah gar nicht ein, dass es nach Hause gehen soll.

  23. Ich möchte mich hier mal als Lappenvertreter zu Wort melden, bin selbst Jahrgang 1990. Erstmal vielen Dank für den Artikel, du regst dich wundervoll auf. Aber verständlich: Bei mir persönlich herrscht aber schon eine große Unsicherheit bei allen Dingen, die über einfache Kopfschmerzen hinausgehen. Mein Arm tut weh? Das hat er vorher noch nie getan, was ist da los!? Zur Notaufnahme hat das aber zum Glück noch nie geführt. Bei länger anhaltenden Sachen gehe ich zum Hausarzt, der dann meistens Ibu verschreibt und mir Ruhe verordnet. Und ja, da hätte man auch selbst drauf kommen können, aber das Gefühl von Sicherheit durch die Expertenmeinung spielt hier auch eine große Rolle.
    Dabei komme ich gar nicht aus einer medizinfremden Familie. Meine Mutter hat jahrelang als PTA in Apotheken gearbeitet, aber auch bei uns war es mit der Hausmedizin nicht so gut bestellt, stattdessen gab es dann lieber mal was homöopathisches. Woran das liegt kann ich schwer sagen, evtl. herrscht hier eine gewisse Pharmagläubigkeit, die den Hausmittelchen jede Wirkung abspricht.
    Deshalb auch volle Zustimmung zum Gesundheitsunterricht! In der Schulzeit habe ich nichts in der Art gehabt, von minimalen Grundlagen in der Grundschule einmal abgesehen.Wenn ich hier in den Kommentaren von Zwiebelsaft lese, assoziiere ich das zunächst mal mit Suppe. Ich selbst habe einfach nicht genug Wissen, um beurteilen zu können, ob meine Wehwehchen nur eben jenes sind oder doch schlimmer sein könnten. Die Googleaffinität ist dann wohl eher ein Nachteil, wenn im Internet jedes Jucken mit Todesaidskrebs in Verbindung gebracht wird.

  24. „Du Waschlappen“ ist eigentlich ein gängiger Begriff aus meiner Jugend, und ich bin in den 70ern vom Band gerollt. Diese Hipster heute sind echt voll krass retro.

  25. In den vorhergehenden Kommentaren stehen ja schon viele Erfahrungsberichte und bei so manchem entdecke ich mich mit meiner kleinen Familie auch wieder. Ja, es ist wohl leider so, dass heute viele mit ihren kleinen Wehwehchen die Notaufnahmen befüllen. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber auch, warum das so sein kann: Beim Hausarzt gar keinen Termin mehr bekommen, weil „das Quartal fast rum ist“ und die Praxis deshalb 14 Tage zu ist. Beim Ärztlichen Notdienst sitzt mal wieder ein Gynäkologe oder ein Augenarzt. Blöd wenn man als Mann gerade keine Sehprobleme hat oder Junior den dritten Tag 40° Fieber hat und sämtliche (wirkungsvollen) Medikamente nur auf Rezept zu bekommen sind (ja, wir wollten das die ersten zwei Tage selbst durchstehen und mit Hausmittelchen behandeln, dann war auf einmal schon Freitag Nachmittag…). Wenn der Augenarzt mich! dann fragt: „was würden Sie denn verschreiben?“ und wenn die Notdienststelle dann 35km weit weg ist, die nächste Klinik aber nur 15, weiß ich, wo ich beim nächsten Mal gleich hinfahre. Ich kann die Zustände in den Ballungszentren nicht beurteilen, aber hier auf dem flachen Land kann ich die Leute schon verstehen, wenn sie den bequemsten Weg einschlagen. Ich habe mir auch schon an einem Samstag in der Notaufnahme anhören müssen „und damit kommen sie zu uns?“ – ja, es ist mit Nadel und Faden eben schwierig, sich das Loch in der Stirn vorm Spiegel selbst zu nähen und zum Gynäkologen wollte ich nicht…

  26. danke danke danke. jeden satz möchte ich dick unterstreichen und diesen lappen unter die nase halten. ich arbeite seit jahren im jugendamt und kann nur bestätigen was du schreibst: und es wird noch viel viel schlimmer werden. 🙂

  27. Ich schätze mal, es ist eine Sisyphusaufgabe, die „echten“ Notfälle von den Lappen zu unterscheiden. Ich möchte sie nicht haben. Meine Tochter hat lustige Praktikumsgeschichten auf der Notaufnahme auf Lager, über die ich herzlich lachen kann, aber bei denen dem Fachpersonal wohl das Lachen im Halse steckenbleiben wird.

    Die Medaille hat aber eben auch eine andere Seite. Denken wir aber mal 17 Jahre zurück – da befand ich mich mit ebendieser Tochter, gerade ein Jahr alt, in der Notaufnahme einer Kinderklinik. Mein Kinderarzt hatte mich dorthin geschickt, und zwar dalli. Die Ärztin in der Notaufnahme befand, das Kind habe nur eine Magenverstimmung, wir sollten doch bitte wieder heimgehen. Den vom Kinderarzt angeordneten Ultraschall fand sie unnötig. Ich habe den Lappen gemacht. Schlimmer noch, ich habe den lauten Lappen gemacht (obwohl ich in den 60ern geboren wurde) Ich habe gebrüllt, wie ich noch nie gebrüllt habe. „Dann kriegen Sie halt ihren beschissenen Ultraschall“, brüllte die gar nicht mehr freundliche Ärztin zurück. Vom Ultraschall ging es in den OP. So schnell habe ich noch nie Ärzte laufen sehen. Blinddarmdurchbruch. Das Kind wäre gestorben, wenn wir heimgefahren wären. Sie könnte heute keine lustigen Praktikumsgeschichten zum Besten geben.

    Ich möchte definitiv nicht in einer Notaufnahme arbeiten. Lappen von Nicht-Lappen zu unterscheiden ist mit unglaublicher Verantwortung verbunden. Meine Hochachtung vor allen, die das tun.
    Liebe Grüße
    Fran

    1. Sowas kann ich wiederum wirklich gar nicht verstehen: Wenn der Hausarzt findet, dass eine Überweisung nötig ist, dann ist das eine Expertenmeinung und sich dem zu fügen macht einem wohl kaum zum Lappen. So sollte man dann auch nicht empfangen werden.

      Genau das ist mir aber auch mal passiert – ich wachte eines Morgens mit dicken Bein auf und ging zum Hausarzt (mein vager Gedanke: Thrombose), der mich sofort zu einem Facharzt im Krankenhaus schickte. Der war an die 60, Chef der Abteilung und behandelte mich extrem herablassend, weil anscheinend doch alles ok war. Er ließ deutlich durchblicken, dass ich ihn gerade mit meinem Wehwehchen nur störe und war so dermaßen arrogant, dass ich irgendwann einfach explodiert bin. Ich sagte ihm klipp und klar, dass er wahnsinnig unhöflich ist und ich mich nicht wie eine Simulantin behandeln lasse, wenn sogar mein Hausarzt unverzüglich weitere Untersuchungen für ratsam hielt. Sein Gesichtsausdruck danach war göttlich – und er hat sofort zurück gerudert. Die Krankenschwester neben ihm konnte sich ein Grinsen kaum verkneifen.

  28. Ich war während meines BA-Studiums so um 2010 rum auch im Katastrophenschutz und bei Sanitätsdiensten unterwegs in meiner Freizeit. Eine der besten Sachen war der Junge (11? 12? Vielleicht sowas), der auf dem Weihnachtsmarkt im Gedrängel unabsichtlich vom Gepäck eines Nebenmannes getroffen wurde. Unsere Diagnose: Blaues Auge 😉 (Also keine Sehstörungen, etc. pp.) Ich bin mir im Nachhinein nicht sicher, ob wir die Mutter wirklich davon abhalten konnten, „lieber noch die 50km nach Großstadt X zur Augenklinik zu fahren“.

    Jetzt habe ich einen Mitbewohner (Mitte der 90er geboren), der wirklich ernsthaft Asthma hat mit allem drum und dran. Der hat sich vor einiger Zeit „weil er grad bei nem Kumpel war, der da in der Nähe wohnt“ mit nem Anfall in die NA der Uniklinik geschleppt und ist gerade noch angekommen…

    Also, ein Mittelding wär vielleicht nicht schlecht.

  29. Pingback: Anonymous
    1. Frau Sofa. Ich bin sehr gerührt. Vielen Dank für die guten Wünsche. Das ich jemals mit diesen beiden tollen Bloggerinen in einem Atemzug genannt werde und wurde macht mich tatsächlich fast schon sprachlos. Das ist quasi (noch) unfassbar.

  30. Hallo Notaufnahmeschwester!

    Gratulation zum Goldenen Blogger! Bin über Krautreporter hierher gekommen 🙂

    Berufsbedingt befasse ich mich mit Menschen, die unter großem Druck arbeiten müssen und den daraus resultierenden Folgen für die Beteiligten.
    Ein Stichwort ist dabei „Coolout“. Das steht in Beziehung zur sog. „Bürgerlichen Kälte“ und wurde in Pflegebereich untersucht. Ist das auch bei euch im Haus ein Thema? Wird darüber gesprochen? Gibt es dazu eine Haltung?
    http://dg-pflegewissenschaft.de/wp-content/uploads/2017/06/PG-3-1999-Kersting.pdf
    Vielleicht ist das einen Artikel wert?

    Gruß, J

  31. Am geilsten sind die Leute, die dann in der Notaufnahme Rabatz machen und den Securitys mit dem Anwalt drohen, weil es dort nicht so läuft, wie sie es sich vorgestellt haben – oder sich in fremde Patientengespräche reintauchsiedern.

  32. Ja letzte Woche beim Frisör die Azubine hat sich den Nagel ein(ab?)gerissen. Pflaster von der Gesellin bekommen. 2 Minuten später ganz verzweifelt: „Ich glaub ich muss ins Krankenhaus das brennt ganz dolle. Was mach jetzt nur?“ Gesichtsausdruck sagte: „Muss ich jetzt sterben?“
    Hab ihr dann gesagt sie soll sich nicht anstellen und ihren Kunden fertig machen damit mein Haarschnitt auch irgendwann fertig wird. Kam nicht gut an :))

  33. Oh ja, sowas kenne ich noch gut. Habe 2004-2005 den Zivildienst (der hätte vielleicht nicht zusammen mit der Wehrpflicht ausgesetzt werden sollen, das hätte vielleicht einige Lappen „entlappt“) in der Notaufnahme gemacht und dabei auch einiges kennengelernt.
    Von den Leuten im Wartezimmer, die mit einer Erkältung kommen und mir ernsthaft erzählen wollten, das man sie gefälligst vor dem Herzinfarkt aus dem RTW behandeln solle, sie seien ja schließlich zuerst dagewesen.
    Oder ein Mann, der nachts „ganz schlimme“ Bauchschmerzen hatte, aber nicht bereit war mit einer Frau zu reden (der durfte sich dann umdrehen und den Ausgang nehmen).
    Oder manche Muslime, die im Ramadan nach Sonnenuntergang ein halbes Hähnchen mit jeder Menge Pommes und Mayo essen und dann mit Bauchschmerzen kommen, die dringend behandelt werden müssen und unerklärlich sind.
    Gut war auch der stationäre Patient, der zu geizig für das Telefon am Bett war und in einem unbeobachteten Moment ein Gespräch über das Telefon am Empfang der Notaufnahme geführt hat.

    In dem Zuge war es mir schon fast peinlich, als ich an einem Samstag auf einen rostigen Nagel getreten bin und daraufhin zur Kontrolle und weil mein Tetanus-Schutz abgelaufen war in eine Notaufnahme gefahren bin. Dort dann allerdings mit aller Zeit der Welt gewartet habe, bis ich dran kam.

  34. Hallo,

    Bin leicht irritiert-zuerst schreiben Sie „kein Mann, keine Kinder“ und unter PPSS erzählen Sie von Ihren Söhnen…

    BG

  35. Größte Klasse,
    vielen Dank für diesen Beitrag zum Alltagsgeschehen.
    Ich hoffe, dass mir das Lachen nicht im Halse stecken bleibt, wenn ich das nächste Mal die Pisa-Polizei auf n-joy höre. Sonst konnte ich immer darüber lachen, weil mir nicht klar war, dass aus diesen Kindern Erwachsene werden.

    https://www.n-joy.de/podcast/podcast4161.html

    weiter so!

  36. Hm….war bisher nur zweimal in der Notaufnahme…einmal ein pyrotechnischer Unfall wo drei Fingerspitzen sehr schnell entfernt wurden…da gab es dann das volle Programm mit Blaulicht und Co., allerdings bei der OP habe ich dann zugeschaut….beim zweiten mal hatte ich um drei in der Nacht Gelüste auf ein Eis und schnitt mich mit dem Messer schön tief in den Handballen…gab etwas Schmunzeln in der Notaufnahme, als gefragt wurde wie das passiert war….meinte dann auch, dass er mir leid tut, da so reinplatzen zu müssen….

    Andere Story: Bekam wegen Prostataentzündung ein Fluorchinolon verschrieben….hatte damit zuerst keine Probleme…außer „ein wenig ziehen“ an den Sehnen….ca. ein Jahr später das gleiche med. Problem und die gleiche Verschreibung bekommen….diesmal began die Achillessehne zu schmerzen, beim gehen……okay war auszuhalten….bei der Nachschau beim Arzt…“scheißt“ der mich zusammen, warum ich da nicht sofort bei ihm aufgeschlagen wäre.
    Mein Einwand war darauf, dass ich eben damit gerechnet habe, dass die Sehnen schmerzen werden und ich halt kein „Lappen“ sein wollte, der weil es nur ein wenig ziept beim Arzt vorbei schaut……sprich ab wann ist ein Schmerz gravierend?

    Kleiner Nachtrag (über Fefe https://blog.fefe.de )
    https://www.nytimes.com/2018/01/27/opinion/sunday/surgery-germany-vicodin.html

    bombjack

  37. Ich meide die Notaufnahme wenn irgend geht. In dem einen KH in meiner Nähe arbeiten i.d.R. überforderte Ärzte nach dem „war als erster da, kommt als erster dran“ Prinzip. Ihre Frau hat Schmerzen? Na und? Der alte Mann sitzt schon seit 2 h hier. Nein, was gegen die Schmerzen geben geht nicht, dazu muss ich ja erst untersuchen.
    Im anderen KH sitzen regelmäßig ganze Familien-Clans in der Notaufnahme. Also einer mit Zipperlein und 12 Angehörige zur Begleitung. Die fordern auch gerne lautstark und gestenreich eine Vorzugsbehabdlung ein. Wundert mich nicht dass es in diesem Bereich regelmäßig zu Tätlichkeiten mit Polizeieinsatz kommt. Leider gibt das Klinikpersonal oft nach und diskriminiert damit Schon-länger-hier-lebende. Mich sehen die in beiden Notaufnahmen erst wieder, wenn ich irgendwo festgeschnallt bin.

  38. Skandinavier gehen im Durchschnitt etwa 4-mal pro Jahr zum Arzt, der durchschnittliche Deutsche etwa 17-mal pro Jahr. Tendenz in Deutschland seit Jahren steigend.

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