Verzweifelte Sexhotline 

Die Pförtnerin erzählt:

„Neulich dachte ich,  ich bin bei der Sexhotline. Da rief einer mit einer alten Stimme an.“

„…Was soll ich denn machen.  Das dauert schon den ganzen Tag und er geht nicht runter.  *ächz.stöhn.jammer.schnauf*

„Jetzt. Jetzt.  Jetzt kommt es. Ach ne. Doch nicht. Was soll ich denn jetzt machen?Reden sie mit mir. Sie haben so eine nette Stimme.  Machen Sie bitte weiter. Vielleicht geht er dann runter.“ *ächz.stöhn.jammer.schnauf*

„Dann müssen sie in die Notaufnahme kommen.“

„Ja aber wie denn. Ich kann doch nicht laufen! Jetzt. Jetzt kommts. Ach ne.  Wieder nicht.  Was soll ich denn machen? Ich  kann nicht mehr.  Das geht jetzt schon den ganzen Tag!“

Bildquelle: Pixabay
„Der Mann war verzweifelt. Eine Stunde hat er wieder und wieder angerufen. Ich war auch verzweifelt“, sagt die Pförtnerin. 

„Ich will das nicht hören!“

„Aber ich bin so verzweifelt. Was soll ich denn machen? Das kann doch nicht so bleiben! Jetzt. Jetzt klappts. Ach ne.  Wieder nicht! “ 

*ächz. stöhn. seufz.*

„Wenn sie nicht herkommen wollen oder können, müssen sie sich halt selber helfen!“

„Das hab ich schon versucht.  Das geht nicht! “

„Vielleicht die andere Hand?“

„Ah. Jetzt.  Ne. Wieder nicht! “

*stöhn. sabber. seufz*

Nach einer Stunde rief er nicht mehr an. 

„Vielleicht hat es ja dann doch nich geklappt“,  kommentiert die Pförtnerin lakonisch. 

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Von Ingeborg Wollschläger

Dreißig Jahre war ich Krankenschwester und davon über zwanzig Jahre in einer Notaufnahme beschäftigt. Im März 2020 erschien mein Buch „Die Notaufnahmeschwester - ein Alltag zwischen Leben, Tod und Wahnsinn“ im Penguin Verlag. 2018 kehrte ich der Pflege den Rücken und bin seitdem als Seniorenreferentin für die Betagten meiner Kirchengemeinde zuständig. Gepflegt wird nun nicht mehr: Jetzt wird "gehegt". In Gruppen und Kreisen, Gottesdiensten und bei jeder Menge Hausbesuchen bin ich mit den Seniorinnen und Senioren in engem Kontakt. Mit großem Interesse lausche ich dort den Geschichten der alten und manchmal auch sehr weisen Menschen. Der wahre Luxus meines derzeitigen Berufes ist, dass ich Zeit habe, mir Lebensgeschichten anzuhören. Ich darf nachfragen und bekomme fast immer Antworten. "Nebenbei" bin ich freiberufliche Journalistin für das Radio (u.a. Klassik Radio) sowie Mitglied der Redaktion des „Evangelischen Sonntagblatts aus Bayern“. Ich habe drei Söhne, einen Halbtagshund und liebe Suppe.

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