Nur? Kopf hoch!

Meine Damen und Herren der Pflege,

just think about it!

 

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Mit freundlicher Genehmigung von @NaddlOr

Wir sind so viel mehr, als „nur“ die „kleine“ Pflegekraft. Offensichtlich haben das die ein oder anderen vergessen – aber das macht nichts. Ich sage es euch heute noch einmal:

Wir sind mehr und wir sind viele.

Wir haben Fähigkeiten, von denen andere nur träumen können. 

Nur mal ein klitzekleines Beispiel- bitte sehr:

„Nur“ Arsch wischen? Freunde – das sind Skills ( wenn man mit der Zeit gehen möchte, muss man auch mit supertollen, neuen Fachbegriffen um sich werfen), die muss man erst einmal drauf haben. Ich habe so viele Menschen ausgezogen – ich weiß, dass es düster ist. Arsch abwischen ist eine Kunst.  Wie so vieles andere auch. Und ja- Unterhosen können rosten!

„Nur“ der Handlanger des Arztes?

Freunde – wie oft haben wir schon schier Leben gerettet, weil der Arzt es nicht gepeilt hatte? (Umgekehrt kommt es natürlich auch vor). Wir sind nicht die „kleinen“ Gehilfen, wir sind im besten Fall ein Team.

Ähnlich schön hat es Lucky Hundertmark ausgedrückt:

 

Lady
Mit freundlicher Genehmigung von @Propinja

 

Ich bin immer ganz glücklich, wenn ich solche Tweets lesen. Man liest sie gefühlt nicht so oft. Eher die Gegenteile – die Mimimi Posts- und Tweets. Die Grüße aus dem Jammertal. Ganz unten aus der fiesen, dunklen Talstation. Von Wolken durchzogen. Bei Nieselregen. 10° Grad Superschmuddel.

Und natürlich gibt es viele hundertfache Gründe, als Pflegekraft am Knorpel des Lebens zu nagen. Natürlich. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Was mir immer mehr und richtig auf den Senkel geht ist die Geschichte von der geringen Wertschätzung. Mimimi. Böse Gesellschaft. Pfui! Sitz! Und Platz!

Wertschätzung kann man nicht einfordern. Wertschätzung wird einem entgegengebracht, wenn ich die innere Haltung zu dem, was ich tue, innehabe. Wenn ich sie verinnerlicht habe. Warum nicht mal sagen: „Guten Tag. Ich bin ihre Pflegekraft. Was für ein Glück für sie.“

Wenn ich allerdings aus meinem Hamsterrad der Überforderung, der allgemeinen Vergrätzung, der vielen Überstunden, der 100.000 Anforderungen , der schlecht gelaunten Kollegen und vielem mehr nicht mehr aussteigen kann, dann sieht es düster aus mit meiner eigenen Wertschätzung.

Wie will ich sie einfordern, wenn ich sie mir selbst nicht gönnen?

Manchmal muss man sie tatsächlich auch von außen einfordern. Ich saß schon in dem ein oder anderen Gerichtssaal, weil ich mir von halbwüchsigen, betrunkenen Schnullis keine Beleidigungen mehr anhören muss.

Wie wäre es, wenn wir alle mal ein bisschen aufrechter gingen? Stolz auf das sind, was wir können und tagtäglich anwenden?

Und wenn wir einen Kollegen/in sehen, die/der gebückt durch den Tag schleicht – sie/ ihn erinnern? Wer wir sind? Wer wir sein wollen? Und auch, wer wir einmal waren, als wir mit alle dem angefangen haben?

Und jetzt stellen wir uns alle mal vor, wie wir uns alle aufrichten.

Wie wäre das?

 

#Tag der Arbeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kategorisiert in Allgemein

Von Ingeborg Wollschläger

Dreißig Jahre war ich Krankenschwester und davon über zwanzig Jahre in einer Notaufnahme beschäftigt. Im März 2020 erschien mein Buch „Die Notaufnahmeschwester - ein Alltag zwischen Leben, Tod und Wahnsinn“ im Penguin Verlag. 2018 kehrte ich der Pflege den Rücken und bin seitdem als Seniorenreferentin für die Betagten meiner Kirchengemeinde zuständig. Gepflegt wird nun nicht mehr: Jetzt wird "gehegt". In Gruppen und Kreisen, Gottesdiensten und bei jeder Menge Hausbesuchen bin ich mit den Seniorinnen und Senioren in engem Kontakt. Mit großem Interesse lausche ich dort den Geschichten der alten und manchmal auch sehr weisen Menschen. Der wahre Luxus meines derzeitigen Berufes ist, dass ich Zeit habe, mir Lebensgeschichten anzuhören. Ich darf nachfragen und bekomme fast immer Antworten. "Nebenbei" bin ich freiberufliche Journalistin für das Radio (u.a. Klassik Radio) sowie Mitglied der Redaktion des „Evangelischen Sonntagblatts aus Bayern“. Ich habe drei Söhne, einen Halbtagshund und liebe Suppe.

5 Kommentare

  1. Unbedingt wäre das gut.

    Ich war vorige Woche wieder im Krankenhaus und habe AUSNAHMSLOS Krankenschwestern und Pfleger erlebt, die sich mit Herz um die Patienten kümmerten.
    Ich bewundere, was sie leisten und ich wünsche mir, dass viele Menschen, die das so erfahren, ihnen ihren Dank aussprechen.

    Denn sind wir doch mal ehrlich:
    Es gibt Einsparungen an allen Ecken und oft erschwerte Arbeitsbedingungen. .., so mancher könnte da die Motivation verlieren.
    Doch man spürt sehr genau, wer diesen Beruf aus Berufung ausführt.
    Ich bin immer sehr dankbar, wenn sie für mich da sind mit einem Lächeln oder Späßchen, mit einer helfenden Hand, während ich auf sie angewiesen bin. Das ist für mich keineswegs selbstverständlich.

    Herzliche Grüße
    Sylvia

  2. Danke für den Post! Mein Bruder beginnt bald seine Ausbildung in dem Gebiet und muss sich auch mit Kommentaren wie „Haha, Arsch abwischen“ rumschlagen – macht mich immer ganz krank wenn ich das mitbekomme. Was für ein Weltbild muss man denn haben, um einen der wichtigsten und kräftezehrendsten Berufe so klein zu reden?

  3. Ich kann nur sagen, dass ich als Akut-Patientin vermutlich nicht besonders angenehm bin und man leider auch meine Wertschätzung höchstwahrscheinlich nicht bemerken wird.
    Bei starken Schmerzen werde ich wohl vielmehr zum jammerigen Unmenschen.

    Dennoch kann und möchte ich an dieser Stelle sagen, dass wenn man im 8. Monat Schwangerschaft mit Nierenkoliken und Frühwehen nur einen kleinen Hauch von der Ohnmacht entfernt, aus allen Körperöffnungen Sämtliches hinaus läßt, weil der Körper zu explodieren scheint – dann war zumindest ICH in meinem Herzen zutiefst dankbar, auf Pflegepersonal zu treffen, das NICHT urteilt, ungeduldig oder wütend wurde.
    Das vielmehr den Topf immer und immer wieder weg räumte und Händchen hielt; Schweiß abtupfte und Mut schenkte.
    Menschen zu erleben, die dich nicht angewidert alleine lassen, sondern so lange um dich bleiben, bis es überstanden ist.
    Ich habe dies seinerzeit versäumt – aber ich kann mich zumindest hier stellvertretend bedanken.

  4. Der Post spricht mir aus der Seele, und das nicht nur weil ich aus einer Familie komme die in der Pflege arbeitet, und mir so manchen Spruch schon anhören musste der so unverschämt war dass mir die Luft weg geblieben ist. Als ich in Praktika und Famulaturen manchmal mitbekommen habe, wie Patienten beleidigend gegenüber der Pflege waren, war der Studentenstatus schon praktisch, da man ohne Angst vor Konsequenzen kontern konnte 😀
    Ihr könnt wirklich stolz auf euch sein und das Wörtchen „nur“ sollte sofort aus eurem Vokabular gestrichen werden!

  5. Danke für den Post. Das ist genau auch das, was wir häufig unseren Nachhilfeschülern mit auf den Weg geben – ‚Ihr seid nicht „nur“ Pflegende, nein ihr seid Pflegende. Ihr helft anderen, damit sie besser leben können. Und wer das nicht wertschätzt, hat euch nicht verdient.‘ LG Susanne, Lehrerin für Gesundheit und Pflege

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