Lösungen gesucht

Freunde,
möglicherweise hat der ein oder andere gestern auch „hart aber fair“ gesehen. Liest man die anschließenden Kommentarspalten auf Facebook oder Twitter, kommen selten Ideen, wie man tatsächlich dies oder jenes verbessern kann oder könnte. Von Rücktritt des Bundesgesundheitsministers ist die viel die Rede und von vielem unschönen mehr. Von Katastrophen an allen Ecken und Enden. Verzweiflung überall. Aber das bringt einen jetzt auch nicht weiter.

 

Pflege geht uns alle an. Auch als Nichtpflegepersonal kann man rubbeldiekatz davon betroffen sein.

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Ihr hab jetzt die Chance, konkret zu werden und nicht in das allgemeine Lamento einzufallen.
Eine Freundin hat Herrn Gröhe – halb im Scherz -geschrieben, dass er gerne mit einer „Frau vom Fach“ telefonieren könne.
Eine Telefontermin steht.
Sie könnte euer Sprachrohr sein.

Wie sehen eure guten Visionen von der Zukunf der Pflege aus?
Was konkret würdet ihr gerne verbessert haben?
Was müsste verändert werden, damit die Pflege attraktiver wird?
Womit geht es euch gut?

Ich würde mich freuen, wenn Ihr gute Ideen und Vorschläge hier aufschreibt. Meine Freundin leitet sie weiter.
Bitte bedenkt: Bashing interessiert mich nicht. Das wir es mitunter schwer haben, wissen wir.
Ich/wir bin/sind an Lösungen interessiert. An Visionen. An neuen Ideen. An anderen Wegen.

Wer die Senung verpasst hat, bitte hier entlang . http://www1.wdr.de/…/video-gefahr-krankenhaus–wenig-person…

Bildquelle: Pixabay

Veröffentlicht am
Kategorisiert in Allgemein

Von Ingeborg Wollschläger

Dreißig Jahre war ich Krankenschwester und davon über zwanzig Jahre in einer Notaufnahme beschäftigt. Im März 2020 erschien mein Buch „Die Notaufnahmeschwester - ein Alltag zwischen Leben, Tod und Wahnsinn“ im Penguin Verlag. 2018 kehrte ich der Pflege den Rücken und bin seitdem als Seniorenreferentin für die Betagten meiner Kirchengemeinde zuständig. Gepflegt wird nun nicht mehr: Jetzt wird "gehegt". In Gruppen und Kreisen, Gottesdiensten und bei jeder Menge Hausbesuchen bin ich mit den Seniorinnen und Senioren in engem Kontakt. Mit großem Interesse lausche ich dort den Geschichten der alten und manchmal auch sehr weisen Menschen. Der wahre Luxus meines derzeitigen Berufes ist, dass ich Zeit habe, mir Lebensgeschichten anzuhören. Ich darf nachfragen und bekomme fast immer Antworten. "Nebenbei" bin ich freiberufliche Journalistin für das Radio (u.a. Klassik Radio) sowie Mitglied der Redaktion des „Evangelischen Sonntagblatts aus Bayern“. Ich habe drei Söhne, einen Halbtagshund und liebe Suppe.

6 Kommentare

  1. Ich habe die Sendung leider nicht gesehen, habe mir aber trotzdem Gedanken dazu gemacht.
    Es gibt da wohl nicht eine Lösung, sondern wir brauchen ein ganzes Bündel an Maßnamen.

    A: Mehr Geld für mehr Pfleger und bessere Bezahlung
    Höhere Pflegebeiträge
    Pflichtbeiträge für Alle.
    Keine Deckelung der Beiträge

    B: Bessere gesellschaftliche Anerkennung
    Pflegestudium forcieren.

    C: Körperliche Entlastung im Pflegedienst
    Einsatz von Robotern ähnlich wie in der Industrie.

    D: Demenzforschung forcieren

    E: Länger daheim
    Intiligente Roboter als Hilfe.
    Gesundheitstracker.
    Besserstellung von pflegenden Angehörigen ( Eigene Rente, höhere Vergütung )

    F: Aktive Sterbehilfe?
    Mir ist nicht ganz wohl bei dem Gedanken aber wenn man es nüchtern betrachtet kann es eine win win
    Situation sein.

    Aber machen wir uns nichts vor, all das kostet… und zwar richtig.
    In erster Linie müssen wir alle bereit sein mehr Geld von unserem Einkommen in die Pflege zu stecken.

    1. Vielen Dank für deine Gedanken. Gestern schrieb mir jemand:…aber das ist ja alles hinlänglich bekannt. Das ist richtig. Aber dennoch tut es Not, immer und immer wieder darüber zu sprechen und nachzudenken. Es betrifft uns alle. Danke dir.

  2. Zu aller erst möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich zu bedanken für den Blog, der immer wieder interessante Themen aufgreift. Und jetzt auch für dieses „Sprachrohr“, was uns zur Verfügung gestellt wird.
    Wirklich konkret kann und will ich nichts sagen, da ich kein Studium (oder Ahnung) in Richtung Wirtschaft habe und mit Krankenhäusern immer nur Zeitweise zu tun haben- ich fange gerade im Rettungsdienst an und gebe jetzt mal ein paar Denkanstöße wieder, die mir „auf der Straße“ kommen
    .
    Dass mehr Geld immer und überall schön wäre, ist vermutlich Konsens. Aber wo fangen wir an? Auch die Rettungswachen würden sich über mehr Geräte/ Fahrzeuge/ Mitarbeiter/ Gehalt freuen- denn auch wir sind gefordert. Dabei könnte man uns schon Abhilfe schaffen, wenn wir direkt das nächste Krankenhaus anfahren könnten- denn sobald das in der (Not-) Aufnahme rot- gemeldet ist, sind wir länger mit einem Patienten unterwegs zum nächsten Krankenhaus und können nicht zum nächsten Einsatz. Ein anderer RTW muss los und es werden gebietsbedingt Bereitstellungsdienste verteilt.
    Durch mein Praktikum in der Notaufnahme weiß ich jedoch, dass auch dort häufig das Problem besteht, dass ein Patient aufgrund von Bettenmangel nicht auf die nötige Station gebracht werden kann. Also entweder die kritischen Stationen mit einer ordentlichen „Pufferkapazität“ ausstatten, oder die Notaufnahmen vergrößern, sodass Patienten dort ruhig und schonend warten können- was ich aber niemandem wünsche.
    Was mir zudem in der Notaufnahme untergekommen ist, ist der Missmut und die Ungeduld der Klienten (ich rede hier von Ausnahmen- ich habe zu allem auch das positive Gegenbeispiel getroffen). Die Haltung, dass sofort alles stehen und liegen gelassen werden muss, um zu springen- für nicht blutende Schnittwunden (z. Bsp.). Das Bewusstsein, dass mit dem RTW auch mal ein Schockraum oder eine Fraktur etc. kommt, fehlt (manchen). Womit ich auch zu einem anderen schönen Thema komme: „Was, sie haben seit drei Tagen Bauchschmerzen? Waren Sie mal beim Hausarzt? Nicht?“ Die Leute warten, bis es nicht mehr geht, und wollen dann wieder, dass gesprungen wird. Und haben auch keine Zeit mehr, um auf die Ergebnisse der Blutanalyse ( in der ZNA) zu warten.
    Um noch ein letztes, großes Thema anzuschneiden, bei dem man sehr behutsam sein muss, komme ich zum Thema „Alter“. Nein, das „Alter“ ist keine Krankheit. Aber es bringt einige mit sich. Und die müssen auch behandelt werden! Aber irgendwann geht es zu Ende. Irgendwann ist Schluss. Und das sehen manche nicht ein- Patienten, Angehörige- die medizinischen Grundsätze. Es ist schwer zu unterscheiden, zwischen Lebens- und Leidensverlängernden Maßnahmen- und ich will nicht darüber stehen- aber jeder sollte sich irgendwann mal diese Gedanken machen und Entscheidungen dahingehend treffen. Doch dafür fehlt das Bewusstsein! Der Tod muss als Ende des Lebens akzeptiert werden.
    Daran sehe ich auch häufig, dass der Rettungsdienst und die medizinische Versorgung als „völlig normal“, sozusagen „gottgegeben“ angesehen werden, was sie aber nicht sind. Es fehlt das Bewusstsein und der Dank für diese Arbeiten- und die sind zwar gut, aber nicht endgültig, durch Geld und bessere Arbeitszeiten auszugleichen.
    Da das jetzt sehr in Richtung Soziologie/ Philosophie abdriftet, schließe ich hier, bedanke mich für die Plattform, den Austausch und die Geduld, dass bis hier hin gelesen wird.

    1. Das habe ich sehr gerne gelesen. Vielen Dank dir dafür. Und vieles was du ansprichst, ist richtig. Hätte ich keine Hoffnung, dass Veränderungen möglich sind, würde ich einpacken. Aber noch hoffe ich, – auch weil es Menschen wir dich gibt, die weiterdenken mögen.

  3. Hallo liebe Kolleginnen/Kollegen, ich habe die Sendung leider zu spät eingeschalten….Trotzdem hätte ich einige Vorschläge für das Telefonat.
    1. Die Politik müsste sich dafür einsetzen dass die Kliniken NICHT als Wirtschaftsbetriebe angesehen bzw. betrieben werden dürfen!!! Es darf KEIN Gewinn mit kranken Menschen gemacht werden. Dann würde schon ein gewaltiger Druck von allen abfallen.
    2. Erwarte ich mehr Wertschätzung! Ich glaube nicht dass eine bessere Bezahlung für uns das Ausschlag gebende Argument wäre um in der Pflege zu arbeiten. Ich arbeite seit 33 Jahren in der Pflege und davon seit 25 Jahren in einer interdisziplinären Nothilfe und es macht mir immer noch Spaß. Was mich zunehmend verärgert ist die Anspruchshaltung der Patienten und der Angehörigen. Ich habe absolut Verständnis dafür dass sich die Patienten und Angehörigen gerade in der Nothilfe in einer Ausnahmesituation befinden, trotzdem werden wir täglich sehr aggressiv und teilweise auch tätlich angegriffen.
    3. Ausreichende Berechnung der Pflegestellen. Ich habe bei mir in der Nothilfe immer wieder Kündigungen weil die Kollegen mit Recht sagen, diesen Stress wegen zu wenig Personal tue ich mir nicht mehr an.
    Ich hätte noch so viel zu sagen, kann es einfach nicht mehr in Worte fassen, vielleicht auch weil ich ein wenig müde bin vom ewigen Kämpfen bei uns in der Klinik mit der Geschäftsführung….
    Ich wünsche mir einfach mal ein „echtes“ Gehör – kein vorgegaukeltes, das habe ich schon zu oft gehabt!
    Trotzdem dürfen wir den Kampf NICHT aufgeben!!!
    Liebe Grüße von einer immer noch an der Front kämpfenden Kollegin
    Birgit Hussar

  4. Ich habe die Sendung nicht gesehen und bin auch nicht vom (Pflege-)Fach. Ich kann nur berichten, was ich so bei zahlreichen Besuchen auf Krankenstationen erlebe und ich mir anders wünsche. Sehr viele betagte Menschen haben Demenz und nach einer Operation mit Anästhesie sind sie noch desorientierter als sowieso schon. Die Pflege dieser großen und steigenden Anzahl von Menschen kostet sehr viel Kraft und Zeit. Daher muss auf dem Gebiet der Demenzforschung viiiiieeeel mehr getan werden. Das Ganze zieht sich nunmehr schon Jahrzehnte hin, ohne Heilungschancen. Eine Person, die einen Angehörigen pflegt, muss mehr als nur das geplante Jahr von ihrer Arbeit freigestellt werden können und/oder es müssen Teilzeitangebote geschaffen werden
    Dann noch eine ganz konkrete Idee zur Entlastung des Pflegepersonals in Kliniken oder auch in Pflegeheimen. Viele Menschen haben dort keine Angehörigen und bekommen nur sporadisch Besuch. Daher sollte viel mehr auf ehrenamtliche „grüne Damen oder Herren“ gesetzt werden. Diese Helfer können aus allen Bereichen der Gesellschaft kommen, Studenten, rüstige Rentner etc. Und diese Menschen ohne (Pflege-) Ausbildung müssen nur eins sein: ehrliche vertrauenswürdige Menschen mit echtem Interesse am Patienten und seiner Geschichte. Sie können beispielsweise darauf achten, dass der Patient genug trinkt (weil er vielleicht selbst nicht daran denkt), seine Hände regelmäßig desinfiziert, seine Tabletten nimmt oder ihm beim Aufstehen behilflich sein, ihm zuhören, mit ihm spielen oder rausgehen. Sie sollen nicht die „Pflege“ übernehmen, aber den Alltag erleichtern. Dann fühlt sich das Pflegepersonal auch befreiter, wenn es seinen Dienst eben nur auf die wenigen Minuten pro Patient begrenzen muss. Und diese „grünen Helfer“ entlasten auch die Angehörigen, die ihre Lieben dann in guten Händen wissen und nicht total hetzen müssen, nur um den kranken Vater/Opa etc. noch abends für 30 min zu sehen.
    Um solche Ehrenämter zu forcieren, braucht es auch Anreize und politische Aufrufe an die Bevölkerung. Arbeitgeber könnten Mitarbeiter für xx Stunden in der Woche zugunsten des Ehrenamts freistellen. Ehrenämter sollten wieder wichtig sein in jedem Lebenslauf. Ein jeder von uns sollte der Gesellschaft in irgendeiner Weise mindestens ein Stündchen opfern. Anwendungsbereiche gibt es genug. All das gehört umgekrempelt und muss neu gedacht und eingeführt werden.
    Toll, dass du uns die Möglichkeit gibst, unsere Ideen auf diesem Weg einzubringen.
    Grüße
    Nina

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