Worüber man nicht sprechen darf

Freunde – über alles darf man reden. Nur über eines nicht, denn das ist fatal:

„Och. Ist ja ganz schön geschmeidig heute. Richtig ruhig. Schööön!“

Sowie man dieses ausgesprochen hat, fühlt man sich meistens in die Harry Potter Romane versetzt. Man hat „Das, worüber man nicht sprechen darf“ ausgesprochen. Wie die „Greifer“ vom Lord Voldemort in den Romanen spüren sie dich ab diesem Moment auf.

„Oh. Ich spüre Ruhe. Fürchterliche Ruhe. Aber da: jemand hat die Worte gesprochen. Action Freunde. Aber jetzt. In 3-2-1-GO!“

Oder man fühlt sich in die Welt von Wilhelm Buschs „Max und Moritz“, Vierter Streich, zurückversetzt:

Rums!! – Da geht die Pfeife los
Mit Getöse, schrecklich groß.
Kaffeetopf und Wasserglas,
Tobaksdose, Tintenfaß,
Ofen, Tisch und Sorgensitz
Alles fliegt im Pulverblitz. –

Als der Dampf sich nun erhob,
Sieht man Lämpel, der gottlob
Lebend auf dem Rücken liegt;
Doch er hat was abgekriegt.

 

Und alles nur, weil man es LAUT ausgesprochen hat.

Das Telefon steht nicht mehr still, ein Mensch nach dem anderen wird mit wahlweise Herzinfarkt, Schlaganfall, 75 Knochenbrüche und riesen Kopfplatzwunden mit Karacho eingeliefert. Die Liegen werden knapp, Besoffene kotzen dir vor die Füße, du verhedderst dich in der Blutdruckmanschette, dein Kopf schwirrt, und du wünscht dir zwei Arme mehr. Im Röntgen malen sie die Bilder aus und kommen nicht mehr nach und im Labor sind wichtige Geräte ausgerechnet jetzt in der Wartung.

Das ist das Murphys Gesetz.

Der Kaffee, den du dir eben frisch eingeschenkt hattest, verdampft.

Was lernen wir daraus?

Nie, nie, nie sagen, dass es gerade hübsch ruhig ist. Niemals davon reden, dass man Kuchen dabei hat, den man vielleicht einmal zusammen im Team essen könnte. Gemeinsam. Weil es doch gerade so entspannt ist.

Das Gesetzt von Murphy ist sehr ernst zu nehmen. Vor allem im Krankenhaus. Und erst recht als Personal. Genießt die Ruhe, wenn es sie gibt und sprecht niemals darüber. Sonst geht es euch wir mir des öfteren ( Als würde man es nicht besser wissen!), dass ich wie Meister Lämpel nach so einer Schicht  auf dem Rücken liege, weil alles schmerzt. Lebend zwar, aber eben ordentlich was „abgekriegt“.

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Von Ingeborg Wollschläger

Dreißig Jahre war ich Krankenschwester und davon über zwanzig Jahre in einer Notaufnahme beschäftigt. Im März 2020 erschien mein Buch „Die Notaufnahmeschwester - ein Alltag zwischen Leben, Tod und Wahnsinn“ im Penguin Verlag. 2018 kehrte ich der Pflege den Rücken und bin seitdem als Seniorenreferentin für die Betagten meiner Kirchengemeinde zuständig. Gepflegt wird nun nicht mehr: Jetzt wird "gehegt". In Gruppen und Kreisen, Gottesdiensten und bei jeder Menge Hausbesuchen bin ich mit den Seniorinnen und Senioren in engem Kontakt. Mit großem Interesse lausche ich dort den Geschichten der alten und manchmal auch sehr weisen Menschen. Der wahre Luxus meines derzeitigen Berufes ist, dass ich Zeit habe, mir Lebensgeschichten anzuhören. Ich darf nachfragen und bekomme fast immer Antworten. "Nebenbei" bin ich freiberufliche Journalistin für das Radio (u.a. Klassik Radio) sowie Mitglied der Redaktion des „Evangelischen Sonntagblatts aus Bayern“. Ich habe drei Söhne, einen Halbtagshund und liebe Suppe.

4 Kommentare

  1. Kenn ich auch vom Museum her. Kaum hat man zur Kollegität im benachbarten Abschnitt gesagt: „Och, ist das aber fein ruhig heute.“, und es sich auf einem Hockerchen bequem gemacht, um ein wenig vor sich hin zu dösen – bricht – rrrummms! – eine wahre Sintflut an mehr oder weniger undisziplinierten und lärmenden Schülergruppen und Touri-Führungen über einen herein. ;-9

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