Entlüften

Manchmal packt einen ja der Rappel und dann muss man los. Immer gerade aus in bequemen Schuhen. Über Stock und Stein. Im Nieselregen, Nebel und wenn man Glück hat im Sonnenschein oder Mondlicht.

Das habe ich am Wochenende gemacht. Herzensfreundin ins Auto und los. Und weil Budapest oder das Meer, Amsterdam oder New York so weit ist, wurde es die Rhön. DIE RHÖN! Soweit ist es schon gekommen.

Und was soll ich sagen: Die Rhön ist super. Und sehr schweigsam. Scheinbar sind alle Vögel in der Röhn schon im Winterschlaf. Oder ins Sommercamp geflogen. Oder hatten einfach keine Lust. Denn was will man auch zwitschern, wenn es um einen herum wahnsinnig still ist. Man hört den Wind durch die Bäume pfeifen  ( Das ist fast so wie bei Indianer Jones und der letzte Kreuzzug)  quasi der „Hauch Gottes“ und die Bäume ächzen. Vielleicht sind sie aber auch verwunsche Prinzen die stöhnen, weil sie gerne erlöst werden möchten. Wer weiß das schon. Spooky. Knarzknarzkanrz. „Fällt er jetzt um?“

Die Hütten sind das, was man wahnsinnig „ursprünglich“ nennen kann. Stehrumchens und Hänghinchens in glänzendem Braunton, Gnome und herbstliche Dekoration – gerne auch mit den Eulen, die jetzt jeder so mag.  Rustikale Bestuhlung, das Besteck in Trögen auf dem Tisch, der Kaffee kommt gleich in Pötten. Die Wirtsleute sind unglaublich herzlich. Das Essen ist lecker, das Frühstück machte uns glücklich.  Zwischen den Mahlzeiten und der Wanderschaft liegt man in knarrenden Betten mit Ommadeckchen drauf. (In der Rhön ist es frisch.) Die Heizung ist in den Zimmern auf angenehme 18° gestellt. Das reicht dem Mensch in der Röhn. Wir mussten nachjustieren.Wir städtischen Weicheier.

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Man sitzt an Tischen mit Aussicht und kleinen Gnomen.

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Die kleinen Gnome sind sehr lustig. Die Hüttenbewohner auch. Sie trinken gerne und machen Witzchen, da würde sich Donald Trump vor Freude auf die Schenkel klopfen. Endlich auch jemand, der den anzüglichen „Klogesprächsdamenwitz“ liebt.

Diese Männer tragen gerne Fußbekleidung, da braucht man dann auch nicht mehr weiterschreiben. Traumschön. Quasi Verhütung am Fuß.

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Ein Traum. Oder?  Ich hätte den ganze Abend Fußbekleidung knipsen mögen. Sehr interessant, sage ich euch. Sehr interessant. Und unschön. Aber interessant.

Dafür ist es vor der Tür wirklich traumschön. Der Blick schweift weit. Berge und Täler, Wolken und Nebelfelder. ( Bei Nebel sagt die Mama einer Kollegin: „Da kochen die Hasen Kaffee!“ Also Kaffee schien an diesem Wochenende reichlich zu fließen im Hasenland. Familienfeier bei Familie Hase? Traumhochzeit der Karnickel?)

Der Blick schweift und fast hört man Bob Ross sagen: „And a little bit of happy yellow….“ und mit seinem Spachtel über die Landschaft kratzen und schwupp – haste einen schönen Baum am Bildrand. Oder einen drei Meter Pilz!

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Pilz an Landschaft.

Und dann muss ich meiner Herzensfreundin immer meinen Pilzwitz erzählen, worüber sie schon seit Jahren nicht lachen kann. Aber vielleicht ihr – ihr treuen Leser:

Steht ein Pils im Wald. Kommt ein Jäger und trinkt es aus!

Man geht durch Baumtore. Ach was: durch Baumportale. Zack – andere Welt. Man erwartet Frau Galadirel aus dem „Herrn der Ringe“. Zumindest aber einen Ent – einen Baumhirten –  der einen weiter trägt. Erstaunlicherweise kommt keiner.

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Aber dann ist man auch schon aus dem Wald herausgetreten. Irgendwo bimmelt eine Glocke den Abend ein. Ein Zeichen für die Kühe, loszumarschieren. Immer schön hintereinander. Und ich bin entzückt, denn ich mag Kühe. Und endlich gibt es Geräusche!

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Es ist wunderschön. Und man fragt sich in solchen Augenblicken immer: Warum geht man nicht öfters einfach los? Alltag Ade und ab ins hübsche Wochenende. Warum entlüftet man sich nicht öfters einmal? Herz und Hirn mal freipusten lassen. Den Füßen etwas anderes gönnen, als Klinikflure. Den Blick nicht ins Elend schweifen lassen, sondern in Landschaften, die die Seele streicheln. Die Phantasie spazieren führen.

Gekrönt wurde der Abend nach einem Anstieg über 30.0000 Höhenmeter (gefühlt)  mit einem Mond – den man nie so schön knipsen kann, wie er tatsächlich ist. (also ich nicht.)14697118_1188173017936959_270049650_oUnd ganz leise haben wir gesummt:

Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar;
der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.

Es fehlte nur noch die Mundharmonika, die einer hätte dazu spielen mögen.

Aber da kam der heitere Männerpulk mit dem fragwürdigen Schuhwerk auf ein Bier und Zigarette aus der Hütte  und machte dumme Späßchen. Aber: Schlagfertigkeit haben wir voll drauf. Und nein: Wenn uns kalt ist, lassen wir nicht die Zimmertüre auf – auf das wir Herrenbesuch bekämen.

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Ach – es traf sie hart! Wir hingegen lachten wie Waldorf und Statler.

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Wenn ihr auch dahin wollte, wo sich Fuchs und Hase, Wind und Kühe, knarrende Bäume und Frau Galadiel „Gute Nachts“ sagen: Bitte schön. Hier hin!

Von Ingeborg Wollschläger

Dreißig Jahre war ich Krankenschwester und davon über zwanzig Jahre in einer Notaufnahme beschäftigt. Im März 2020 erschien mein Buch „Die Notaufnahmeschwester - ein Alltag zwischen Leben, Tod und Wahnsinn“ im Penguin Verlag. 2018 kehrte ich der Pflege den Rücken und bin seitdem als Seniorenreferentin für die Betagten meiner Kirchengemeinde zuständig. Gepflegt wird nun nicht mehr: Jetzt wird "gehegt". In Gruppen und Kreisen, Gottesdiensten und bei jeder Menge Hausbesuchen bin ich mit den Seniorinnen und Senioren in engem Kontakt. Mit großem Interesse lausche ich dort den Geschichten der alten und manchmal auch sehr weisen Menschen. Der wahre Luxus meines derzeitigen Berufes ist, dass ich Zeit habe, mir Lebensgeschichten anzuhören. Ich darf nachfragen und bekomme fast immer Antworten. "Nebenbei" bin ich freiberufliche Journalistin für das Radio (u.a. Klassik Radio) sowie Mitglied der Redaktion des „Evangelischen Sonntagblatts aus Bayern“. Ich habe drei Söhne, einen Halbtagshund und liebe Suppe.

6 Kommentare

  1. Da fällt mir noch ein Pilzwitz ein:
    Treffen sich zwei Schnecken. Die eine hat ein blaues Auge. „Was is passiert?“, fragt die andere. Darauf die eine: „Da kriech ich so durch den Wald, denk mir nix Böses und dann – schießt da so ein Pilz vor mir aus dem Boden…“

  2. und von der tollen rhön dann noch in`s schöne fulda. ein traum! auch mit tippitoppi klinik: da kommen die ganz ganz guten ärzte her 😉

    und noch einen schönen pilz-witz: warum hat der liebe gott den scheidenpilz erfunden? damit auch frauen mal merken wie es ist mit einer nervenden punze zu leben.

    horrido.

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