Wann ist die beste Zeit um in eine Notaufnahme zu gehen?

Das ist eine Frage, die immer wieder bei den Suchbegriffen auftaucht.

In eine Notaufnahme geht man, wenn man in „Not“ ist.

Nachdem Krankheiten oder Unfälle selten vorhersehbar ist, ist die Frage wiederum eigentlich überflüssig. Nicht wahr?

Damit wäre dieser Blogbeitrag auch geschrieben. Ende Gelände.

(Gut – man geht auch, wenn man einen Fetisch hat und gerne von dem netten, weiblichen Personal eine neue Windel haben möchte. Mit 49 Jahren. Weil man gerade in der Gegend war und es seit Wochen hier und da zwickt. Oder weil man noch Licht brennen sah.)

 

 BildquellePixabay

 

Ansonsten gibt es tatsächlich auch günstige Zeiten. Ich habe allerdings in fast 20 Jahren noch nicht rausbekommen, wann das ist. Aber es gibt sie – hin und wieder.

Dienstags um 17 Uhr? Oder Mittwoch morgens um 11 Uhr? Gar am Samstag um 20.15? Oder wenn Fußball kommt? Wenn Prinzen und Prinzessinnen heiraten?

Es ist unvorhersehbar. Manchmal hat man Glück. Da wird man direkt durchgewunken. Manchmal hat man Pech. Dann muss man lange sitzen. Alles ist möglich. Wie im wahren Leben.

Notfälle passieren. Der Herzinfarkt in der Küche. Der Sturz vom Pferd oder Fahrrad. Ein Schlaganfall beim Grillen. Das alles ist nicht zeitlich terminiert.

Wobei wir festgestellt haben: Eine Krankheit kommt selten alleine. Wo ein Herzinfarkt ist, kommt gerne noch ein zweiter, dritte oder mehr dazu. Manchmal ist „Knochenbruchwetter“. Jeder, der kommt, hat sich irgendeinen Knochen gebrochen. Nicht  bloß verstaucht. Kaputt. Und dann ist Kopfschmerz und Mirgänewetter. Aua. Oder Atemwegserkrankungstiefdruckgebiet.

 

Ich hingegen frage mich ja, vom wem wohl solche Fragen kommen. Von besonders vorsichtigen Menschen – in der Art von: Hm. Sollte ich mal einen Herzinfarkt bekommen….. möchte ich ihn gerne um 14 Uhr am Freitag haben. Wenn ich mich heute Abend beim Gläserspülen in den Finger schneide – lohnt es sich noch, etwas zu warten bis ich meinen Finger versorgen lasse, weil es dann möglicherweise nicht so viele Patienten gibt? Bitte einen Schlaganfall nur, wenn Fußball kommt und nur, wenn ein Nichtfußballliebhaber Dienst hat. Die Gallenkolik bitte nach dem Festessen. Wenn ich stürze, dann bitte immer erst nach der Hochzeit. Nicht davor!

Merkt Ihr selber – Nicht wahr?

Nichts desto trotz: Wenn Ihr ein „Notfall“ seid, werdet ihr behandelt – je nach schwere des Notfalls sofort – oder mit Wartezeit. Mit all unserem Wissen und Können. Und das ist doch eigentlich das Wichtigste. Oder?

 

 

Von Ingeborg Wollschläger

Dreißig Jahre war ich Krankenschwester und davon über zwanzig Jahre in einer Notaufnahme beschäftigt. Im März 2020 erschien mein Buch „Die Notaufnahmeschwester - ein Alltag zwischen Leben, Tod und Wahnsinn“ im Penguin Verlag. 2018 kehrte ich der Pflege den Rücken und bin seitdem als Seniorenreferentin für die Betagten meiner Kirchengemeinde zuständig. Gepflegt wird nun nicht mehr: Jetzt wird "gehegt". In Gruppen und Kreisen, Gottesdiensten und bei jeder Menge Hausbesuchen bin ich mit den Seniorinnen und Senioren in engem Kontakt. Mit großem Interesse lausche ich dort den Geschichten der alten und manchmal auch sehr weisen Menschen. Der wahre Luxus meines derzeitigen Berufes ist, dass ich Zeit habe, mir Lebensgeschichten anzuhören. Ich darf nachfragen und bekomme fast immer Antworten. "Nebenbei" bin ich freiberufliche Journalistin für das Radio (u.a. Klassik Radio) sowie Mitglied der Redaktion des „Evangelischen Sonntagblatts aus Bayern“. Ich habe drei Söhne, einen Halbtagshund und liebe Suppe.

8 Kommentare

  1. Es gibt Menschen, die sich absichtlich und zeitlich geplant so stark selbstverletzen, dass eine Versorgung in der Notaufnahme erfolgen muss. Klar, es gibt sehr sehr viele Patienten, die sich ungeplant und impulsiv verletzen, aber es gibt eben auch die anderen, die sich vorher überlegen wann wenig in der Notaufnahme los ist…..
    Mittwoch ist nie gut, da haben Ärzte fast immer nur bis mittags auf, da gehen dann viele gleich ins Krankenhaus, wenn es irgendwo „zwickt“. Freitag nachmittags übrigens auch.
    Sonntagabend ist oft gut, da warten die Leute bis Montag früh und gehen dann zum Arzt. Da ist meist weniger los in der Notaufnahme. Montag in den Abendstunden auch, obwohl statistisch gesehen am Montag Vormittag die meisten Arbeitsunfälle passieren.
    Ansonsten ja, es ist unplanbar. Selbst wenn man schon in der Wundversorgung liegt, kann ein Schockraumpatient kommen. Egal ob um 8 Uhr morgens, 16 Uhr an einem Donnerstag oder Sonntag um 23:37 Uhr.

  2. Die Frage stellen sich glaub ich zu 90% die Patienten, die mit dem Notruf wegen Rückenschmerzen seit zwei Wochen bis Sonntagabend 23 Uhr warten, weil sie sich dort die kürzeste Wartezeit versprechen. 😀
    Also die, die eigentlich kein Notfall sind und das auch ganz genau wissen, die aber aus welchem Grund auch immer glauben, in der Notaufnahme schneller behandelt zu werden als beim niedergelassenen Arzt. Wie Leute auf so ne Idee kommen, wüsste ich auch gern.
    Selbst in Dienstkleidung nach Arbeitsunfällen (für die ich wirklich in die Notaufnahme musste und durch die der Dienst für mich für diesen Tag eh beendet war) bin ich oft nicht unter zwei Stunden Wartezeit weggekommen. Und ich glaub, da hatte ich tatsächlich schon nen kleinen Kollegenbonus.

  3. Menschen mit MS interessiert soetwas! es kommt nicht auf einen Tag früher oder später an. allerdings darauf Stress zu vermeiden!

  4. Hmmm… ich glaube ich kann dazu was sagen. Heute ist Samstag, und schon seit vorgestern brennt es bei mir „da unten“. Klar, eine Pilzinfektion, hab ich mir gedacht, alles schon mal gehabt und man kennt sich ja aus. Beschwerden aber mäßig und außhaltbar und außerdem auf Dienstreise mit straffem Programm, also kein Stress. Joah und dann kommt man am Freitag abend heim und das Brennen hat sich verstärkt, also schmiert man seinen Rest aus der Canesten-Tube drauf und geht ins Bett. Und morgens um vier wird man von der Disco im Schritt wach und läuft ein paar Kilometer zur Apotheke mit Notdienst. Das war eine gute Idee, denn kaum ist das Kadefungin-Zäpfchen drin, kehrt herrliche Ruhe ein in der unteren Etage und obwohl man nicht mehr wirklich einschläft, scheint das Wochenende gerettet.

    Es ist jetzt kurz vor drei und ich habe gerade das dritte Zäpfchen der Drei-Tages-Packung innerhalb von 13 Stunden aufgebraucht. Es ist völlig klar dass irgendwas immer noch absolut nicht ok ist, aber was tun? Die einzige gynäkologische Ambulanz liegt am anderen Ende der Stadt, und mein kranker Vater, um den ich mich kümmere, kann nicht lange allein bleiben. Die Tagespflege hat wochenends geschlossen. Ich denke an die Schwestern und Ärzte, die auch ohne mich schon genug zu tun haben, und dann an meinen Frauenarzt, der mich am Montag rundmachen wird, warum ich die Infektion so lange herumgeschleppt habe. Und meine Mumuschmerzen wachsen sich langsam zu Unterleibsschmerzen aus. Und ja, klar google ich „Notfallambulanz wann geringe Wartezeiten“.

    Liebe Grüße,
    JJ

  5. Solche Fragen kommen von mir. Ich bin gestern gestürtzt und hatte relativ starke Schmerzen am Knöchel – jedoch nichts Schlimmes, wie ich dachte. Heute wache ich auf und kann denn Fuss nicht mehr bewegen oder belasten, jede Berührung schmerzt höllisch. Ich werde in die Notaufnahme gehen müssen, aber ich informiere mich nunmal über die „Stoßzeiten“, da ich jederzeit gehen kann. Geht ja nicht um Leben und Tod bei mir.

  6. Warum mich diese vermeintlich unverschämte weil mutmaßlich mißbräuchlich gemeinte Frage interessiert? – Weil ich seit heute Mittag (ein Freitag!) stärker werdende Schmerzen in der Brust habe, und ich befürchte, mir eine atypische Lungenentzündung zugezogen zu haben. Da fragt man sich: Gehe ich sofort oder warte erst Mal ab. Hätte auch erwartet, hier Informationen über das „Schichtsystem“ zu finden (besser bei Schichtbeginn?). Aber zumindest habe ich gelernt, daß Freitag Nachmittag wohl eine schlechte Idee ist (Danke Mara!).
    Wenn man etwas weiter recherchiert, scheinen Mißbrauch und Überlastung von Notaufnahmen wohl auch ziemliche Folklore zu sein! Siehe http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2017-11/kassenaerztliche-versorgung-notaufnahmen-auslastung-krankenhaeuser

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