Mittagsschläfchen

Oh heilige Zeit.

Ein Tag ohne Mittagsschläfchen ist ein verlorener Tag.

Ich komme aus einer Familie von Mittagsschläfern. Was hätte also aus mir anderes werden sollen – als ebenfalls eine große Freundin dieses Tagabschnittes.

Ganze Gernationen haben die Mittagspausw waagerecht verbracht. Die Omma lag auf dem Sofa, der Oppa ebenfalls. Vater auf dem Kanapee, Mutter im Bett. Augen zu. Beschauen von innen. Rolladen runter.

„Kinder! Seid leise!“. Welcher **** ruft denn da jetzt schon wieder an? Um die Uhrzeit???“

Als Kind war diese Zeit sterbenslangweilig. Denn ich musste auch. Liegen. Nix los. Keine Action. Stille. Vielleicht noch das Summen einer nervigen Fliege, die gegen das Fenster fliegt in der Hoffnung auf und davon zu kommen.

Heute den ich mir: Yippie. Endlich Pause. Welt – leck mich am Allerwertesten.

Geistig und schlafmützig um die Mittagszeit bin ich also eher so die Italienerin, aber stramm mit ostpreussischen Wurzeln. Denn danach wird frohgemut und mit neuer Kraft das Tagwerk erneut aufgenommen.

Nun wissen wir ja alle, das es völlig normal ist, mittags ein Tief zu haben. Ich will die immense Gefahr des „nicht schlafens“ nicht  verschweigen. Es bedeutet ungeheuren Streß für den Körper, dem Suppenkoma Aktivität ohne Ende entgegen zu setzen.

Manch einer macht es sich im Schwesternsozialaufenthaltsraum gerne mal gemütlich. Das kann schwierig werden. Für alle Beteiligten. Also lieber doch zuhause.

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Nach dem Frühdienst also: Schuhe aus. Buxe runter. Ab ins Bett ( in meinem Fall) oder auf das Soffa. (Soffa ist ungleich gemütlicher als Sofa. Hört man schon am Klang, gell?)

Gerne auch noch mal vom Spätdienst. Und dem Nachtdienst.

Die Rollade kann oben bleiben. Da bin ich nicht so. Wichtig ist ausschließlich das Bett.

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Und wer immer gesagt hat: Das Bett muss hart sein für den gesunden Rücken, gehört an die Wand genagelt. Das Bett muss gemütlich sein! So schaut  es aus, Freunde.

Schlafposition einnehmen. Wichtig ist hierfür eine andere einzunehmen, als nachts. Nicht, dass der Körper innerlich verwirrt ist. Soweit wollen wir ja dann doch nicht gehen.

Und dann:

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Ich rede gerne und viel. Ich lerne täglich unzählige Menschen kennen und muss und will mich auf sie einstellen. Ich denke und renne durch die Gegend. Oft unter Strom. Input überall und allenthalben.

Aber einmal am Tag brauche ich eine Zeit der Stille. Meditation mit geschlossenen Augen sozusagen. Willkommen Traumland.
Den Körper übernehmen lassen. Nicht denken. Nicht steuern. Nicht handeln. Atmen.

Wer einatmet muss auch ausatmen. Wer einschläft muss ausschlafen.

Powernap heißt mittlerweile das Zauberwort und soll besten eine halbe Stunde nicht überschreiten. Pfffff. Da kann ich nur müde kichern. 30 Minuten! Eine halbe Stunde geht schon auch, aber bis man erst mal vom geschäftigen, plaudernden Modus in die Stille findet, vergehen ja schon mal diese 30 Minuten.

Es heißt ja immer, dass in dieser Zeit der Körper beschädigte Zellen repariert. Das Immunsystem regeneriert sich  und das Gehirn speichert Erlerntes ab. Wer länger schläft, fällt in den Tiefschlaf und ist hinterher schlaftrunken. Dann wieder leistungsfähig zu werden, dauert lange. Buhu. Da hab ich aber jetzt Angst. NICHT! Bei mir nicht. Wahrscheinlich wirken da die Ahnengene mit. Seit Generationen erprobt ist furchtlos eine Stunde oder auch länger genau richtig und wunderbar. Und manchmal braucht man halt auch länger, um das Erlernte abzuspeichern. Zu vergessen, dass „bis jetzt“ irgendwie komisch war oder traurig.

30 Minuten. Ich lache immer noch.

In dieser Zeit werde ich wie meine Altvorderen:

„Kinder! Seid leise!“. Welcher **** ruft denn da jetzt schon wieder an? Um die Uhrzeit???“

(Von wegen: wollten wir nie so werden wie unsere Eltern? Ich lache laut und grimmig. Ich bin meine Eltern! Aber gut – im Falle des Mittagsschläfchen mag das kein Fehler sein. Mama – Papa: ihr seid prima!)

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Irgendwann ist dann „Mittag“ rum. Und es kann weiter gehen. Mit allem. Mit Alltag und Freunde treffen. Mit Abendessen kochen und Kindern Vokabeln abfragen. Beim schrägen Klavierspielen zuhören. Mit Sport (ich kichere schon wieder) und Einkaufen. Hausputz und Katze streicheln. Blume gießen und Klo schrubben. Mit Blog schreiben und kuscheln in der Familie.

Ich bin wieder da.

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Kategorisiert in Allgemein

Von Ingeborg Wollschläger

Dreißig Jahre war ich Krankenschwester und davon über zwanzig Jahre in einer Notaufnahme beschäftigt. Im März 2020 erschien mein Buch „Die Notaufnahmeschwester - ein Alltag zwischen Leben, Tod und Wahnsinn“ im Penguin Verlag. 2018 kehrte ich der Pflege den Rücken und bin seitdem als Seniorenreferentin für die Betagten meiner Kirchengemeinde zuständig. Gepflegt wird nun nicht mehr: Jetzt wird "gehegt". In Gruppen und Kreisen, Gottesdiensten und bei jeder Menge Hausbesuchen bin ich mit den Seniorinnen und Senioren in engem Kontakt. Mit großem Interesse lausche ich dort den Geschichten der alten und manchmal auch sehr weisen Menschen. Der wahre Luxus meines derzeitigen Berufes ist, dass ich Zeit habe, mir Lebensgeschichten anzuhören. Ich darf nachfragen und bekomme fast immer Antworten. "Nebenbei" bin ich freiberufliche Journalistin für das Radio (u.a. Klassik Radio) sowie Mitglied der Redaktion des „Evangelischen Sonntagblatts aus Bayern“. Ich habe drei Söhne, einen Halbtagshund und liebe Suppe.

6 Kommentare

  1. Ich liiiiiieeebe Mittagsschläfchen! 😀 An meinen freien Tagen gibt’s nix Schöneres, ich freue mich schon die ganze Arbeitswoche darauf, mich am Nachmittag gemütlich ins Bettchen zu kuscheln, mir ein wenig schadenfroh zu denken: „Ah, die Armen da draußen, die müssen alle arbeiten.“, und dann herrlich entspannt zu schlafen… 😉

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