Superhelden im Krankenhaus

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Liebe Patienten und Patientinnen,

wir sind in der Lage, drei Verbände gleichzeitig anzufertigen und vier Patienten fünf Fragen zu beantworten. Während drei Ärzte auf uns einreden, nehmen wir sieben Telefonate an, bringen zwei Patienten zu verschiedenen Untersuchungen und lächeln. (Na gut – manchmal ein bisschen grimmig. Aber wir bleiben dran.)

Wir sprechen alle Sprachen, verstehen jeden Dialekt und sind versiert in allen Bereichen der Medizin. Wir kennen jeden Patienten, wissen wann er kommt, absagt, sich verspätet oder ob er herausnehmbaren Zahnersatz hat.

Des Weiteren sind wir verantwortlich für das heutige Wetter. Die unwürdigen Bedingungen Ihrer Anreise, die vollen Busse, die verstopften Straßen. Die fehlenden oder kostenpflichtigen Parkplätze, die unfreundlichen Schwestern, den schnarchenden Bettnachbarn. Vor allem die lange Wartezeit hier und in allen Bereichen gehen ebenfalls auf unsere Kappe. Sie können uns dafür gerne anmaulen oder anschreien.Wir lächeln liebreizend und sind immer mitfühlend. Wir sind Ihnen gerne beim Abbau Ihrer Aggressionen behilflich und ertragen in voller Ruhe die schlimmsten Beleidigungen und Drohungen.

Alkohol und Knoblauchfahnen sowie Schweiß- und Fußgeruch und weitere Gerüche gehören zu unseren bevorzugten Düften. Hauchen Sie uns ruhig nach Herzenslust an.

Im Minutentakt gibt es einen Toilettendienst, den sie gerne auch in Anspruch nehmen können – selbst wenn Sie gar nicht müssen. Sie können vorm während und nach jeder Untersuchung Ihren natürlichen Bedürfnissen nachkommen – wir sind Ihnen stets behilflich.

Wir ersetzten Pförtner, die Auskunft und den Kummerkasten und können Drucker, Faxgeräte und Ultraschallgeräte reparieren. Wir können fliegen, uns unsichtbar machen, im Dunkeln leuchten, Sie schweben lassen, Leben retten und unter Wasser 30 Tage die Luft anhalten. Natürlich besitzen wir den Röntgenblick.

Wir kennen weder Sonn- noch Feiertage und arbeiten gerne und nahezu unentgeltlich die ganze Nacht. Unsere Familien sind uns fast unwichtig und persönliche Freizeit ist uns ein Graus. Die einzige Freude unseres Daseins besteht darin, anderen selbstlos zu dienen.

Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt in unserer Abteilung und gute Besserung, Ihr Pflegepersonal.

 

(Mein Mann brachte mir aus einem Krankenhaus einen schlecht kopierten Zettel mit. „Da! Lies und lach!“ Ich hab gelesen und gelacht! Die ursprüngliche Quelle ist mir unbekannt. Ich habe ihn ein bisschen verändert und „aufgepimpt“.)

Bildquelle: Pixabay

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Kategorisiert in Allgemein

Von Ingeborg Wollschläger

Dreißig Jahre war ich Krankenschwester und davon über zwanzig Jahre in einer Notaufnahme beschäftigt. Im März 2020 erschien mein Buch „Die Notaufnahmeschwester - ein Alltag zwischen Leben, Tod und Wahnsinn“ im Penguin Verlag. 2018 kehrte ich der Pflege den Rücken und bin seitdem als Seniorenreferentin für die Betagten meiner Kirchengemeinde zuständig. Gepflegt wird nun nicht mehr: Jetzt wird "gehegt". In Gruppen und Kreisen, Gottesdiensten und bei jeder Menge Hausbesuchen bin ich mit den Seniorinnen und Senioren in engem Kontakt. Mit großem Interesse lausche ich dort den Geschichten der alten und manchmal auch sehr weisen Menschen. Der wahre Luxus meines derzeitigen Berufes ist, dass ich Zeit habe, mir Lebensgeschichten anzuhören. Ich darf nachfragen und bekomme fast immer Antworten. "Nebenbei" bin ich freiberufliche Journalistin für das Radio (u.a. Klassik Radio) sowie Mitglied der Redaktion des „Evangelischen Sonntagblatts aus Bayern“. Ich habe drei Söhne, einen Halbtagshund und liebe Suppe.

5 Kommentare

  1. Hahahaha, ja genau so ist das 😉 War in meiner KHS Zeit nicht anders. Und wehe man hat nicht gelächelt.
    Irgendwann muss man es einfach mit Humor sehen, sonst kann man sich gleich einsargen lassen. Keep on rocking 😉

  2. Außerdem sind wir verantwortlich dafür : Daß der Mond ins Zimmer scheint, daß die Sonne nicht ins Zimmer scheint, daß die Heizung zu warm ist oder der Vorgänger den Thermostat abgerissen hat, daß die Mutter ein Handtuch verloren hat, daß die Versicherungskarte nicht aufzufinden ist, daß die Küche einen Joghurt mit der falschen Geschmacksrichtung geliefert hat, daß die Luft im Zimmer verbraucht ist und daß man versucht zu lüften. Daß man versucht nicht zu lüften.

    Ja, ich lächle nicht mehr immer, denn dann könnten die Menschen sehen, daß ich Haare auf den Zähnen habe.

    Gute Besserung LG Gitta

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