Heute nur Gutes – wenn möglich

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Bildquelle: simplywyse.wordpress.com

 

Eigentlich wollte ich dem Aufruf einer Facebookfreundin folgen: Heute nur Gutes.

Ich war entspannt. Das Kind wollte sein Geburtstagsgeld verbraten, dem Gatten gelüstete es nach Leberkäsebrötchen. Das Einkaufsparadies rief. Alles war fein.

Bis wir an der Leberkäsetheke standen.

„Ich hätte gerne 7 Leberkäsebrötchen!“

„Ich hab keine Brötchen mehr! Und außerdem schließe ich um 19 Uhr zu“

“ Äh. Es ist 18 Uhr und sie haben ja noch Leberkäse!“

„Ich brauch aber immer eineinhalb Stunden zum Putzen!!!!“

„Nun“.  Augen geradeaus in die Augen der Fleischwarenverkäuferin. 13 Stinkefinger im Blick.

„Dann hätte ich gerne nur Leberkäse!“

Lustlos klatschte sie den Leberkäse aufs Papier.

7, 25 Euro stand auf der Kasse.

„Entschuldigung. Wo bitte ist die Logik, wenn ich sieben Brötchen mit Leberkäse zu je einem Euro kaufe, dass ich jetzt mehr bezahlen soll?“

„Das ist eben so von der Kasse eingestellt!“

„Ach was!“ Erneute 13 Stinkefinger. Leicht zuckender Blick wie bei Shaun dem Schaf.

„Werner? Was geb ich ein?“, schrie sie über die Fleischwarenabteilung ihrem Kollegen zu.

„Geb halt per Hand sechs Euro ein!“

„Aha.“

„BrabbelbrabbelbrabbelMaschineputzenseitneunStundenschonhierbrabbelbrabbelblöderSaftladendämlicheKundenbrabbel“

 

Ich werde da richtig fuchtig mittlerweile. Das regt mich auf. Ich bin da sehr von jeglichem Mitleid befreit. Dieses „Die Maschine ist aber schon geputzt“ und der Laden ist noch eine Stunde offen. Diese „Draußen nur Kännchen“- Gedöngel. Dieses „Da muss ich mal im Lager schauen“ ohne den Hintern zu heben in der Hoffnung, man sagt dann: „Ach lassen sie es gut sein“.

Das sollte ich mir mal erlauben. (Zumindest ist es mein Anspruch und auch das vieler meiner Kollegen.)

Ich erlaube es mir nicht, weil ich so was unmöglich finde. Der Andere/ Kunde/ Patient  kann nichts für die Umstände. So ist das.

Mimimimi. Schon seit 7 Stunden auf der Schicht und immer dieses blöde, kranke Volk. Und putzen muss ich auch noch. Und immer nerven die Angehörigen. Und gleich hab ich Feierabend und jetzt kommen SIE daher und wollen noch was.

Es ist letztlich eine Dienstleistung, die wir alle da erbringen. Und jeder hat das Recht, einigermaßen vernünftig behandelt zu werden. Auch kurz vor Feierabend.

Und wenn ich keinen Bock mehr habe, dann laber ich den Kunden oder Patient damit nicht zu. Himmelnocheinmal! Im Gegensatz zur Leberkäsefrau könnte ich kein Schild raushängen:

GESCHLOSSEN. JETZT ZU. GEHT WEG. ICH MUSS NOCH PUTZEN.

Und da möchte ich jetzt schon am liebsten Mimimimi jammern.

 

Anmerkungen:

Leberkäsesemmeln zu je einem Euro einzukaufen ist moralisch fragwürdig- schon klar. (Aber hin und wieder sehr lecker.)

Und ja – Augen auf bei der Berufswahl. Gähn.Ich weiß schon.

 

 

 

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Kategorisiert in Allgemein

Von Ingeborg Wollschläger

Dreißig Jahre war ich Krankenschwester und davon über zwanzig Jahre in einer Notaufnahme beschäftigt. Im März 2020 erschien mein Buch „Die Notaufnahmeschwester - ein Alltag zwischen Leben, Tod und Wahnsinn“ im Penguin Verlag. 2018 kehrte ich der Pflege den Rücken und bin seitdem als Seniorenreferentin für die Betagten meiner Kirchengemeinde zuständig. Gepflegt wird nun nicht mehr: Jetzt wird "gehegt". In Gruppen und Kreisen, Gottesdiensten und bei jeder Menge Hausbesuchen bin ich mit den Seniorinnen und Senioren in engem Kontakt. Mit großem Interesse lausche ich dort den Geschichten der alten und manchmal auch sehr weisen Menschen. Der wahre Luxus meines derzeitigen Berufes ist, dass ich Zeit habe, mir Lebensgeschichten anzuhören. Ich darf nachfragen und bekomme fast immer Antworten. "Nebenbei" bin ich freiberufliche Journalistin für das Radio (u.a. Klassik Radio) sowie Mitglied der Redaktion des „Evangelischen Sonntagblatts aus Bayern“. Ich habe drei Söhne, einen Halbtagshund und liebe Suppe.

10 Kommentare

  1. Zum Glück hatte ich schon lange kein schlechtes Erlebnis mehr mit übellaunigem Servicepersonal. Aber wenn ich welches hatte, kann ich auch pampig werden, wenn ich nur nicht immer so Herzklopfen kriegen würde und einen roten Kopf. Du musst mir das mit den Stinkefingeraugen unbedingt beibringen!

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